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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Erfolge einer kleinen großen Bühne

20.02.2019

Bremerhaven „Bestes Theater abseits der Zentren!“ Ist das wirklich eine Auszeichnung oder eher eine Herabwürdigung? Ulrich Mokrusch lacht. Und nimmt es als Theaterintendant positiv: „Wir liegen ja mit Bremerhaven wirklich jenseits der Zentren Berlin, Hamburg oder München.“ Und klar: Es ist eine Ehre, die da vom Branchenmagazin „Die Deutsche Bühne“ ausgesprochen wurde.

Diese Ehre scheint redlich verdient. Das quirlige Stadttheater von Bremerhaven kann sich sehen und hören lassen, hat einen Spielplan wie eine Metropolenbühne, bietet Musicals, Opern, Operetten, Schauspiel, Sinfoniekonzerte, Tanz und Niederdeutsches Theater. Kein Wunder, dass die Stadtväter nun den Vertrag von Mokrusch um fünf Jahre verlängert haben. Der 55-Jährige bleibt bis 2025 in der Hafenstadt.

Einführung auf Arabisch

Mokrusch hat die direkte norddeutsche Art lieben gelernt. Er schätzt die Brüche und das Weltoffene der Stadt. Er genießt die Nähe zum Meer. Er hat eine Wohnung mit Meerblick. „Jeden Tag“, erzählt er, freue er sich über die frische Brise. Auch die Nähe lockt: Gleich um die Ecke des Theaters ist das Auswandererhaus, unweit das Schifffahrtsmuseum.

Helmut Lohner, frecher Schauspieler und langjähriger Wiener Theaterdirektor, hat einmal gesagt, der Unterschied zwischen einem Theater und einem Irrenhaus bestünde darin, dass im Irrenhaus der Direktor normal sei. Das aber stimmt nicht. Jedenfalls nicht in diesem Fall: Theaterchef Mokrusch hat, soweit man das beurteilen kann, eine schön normale Theaterbiografie. Nach einem Schauspielstudium in Paris wirkte er am Rheinischen Landestheater Neuss, am Schauspiel Düsseldorf und in Bielefeld. Zwischendurch war er auch freier Regisseur, später Stellvertreter des Generalintendanten am Nationaltheater Mannheim. Seit 2010 ist er in Bremerhaven aktiv und hat das Theater gründlich geöffnet. Was das bedeutet?

Er hat sich nicht im Intendantenkämmerchen verkrochen. Er hat in Turnhallen, Museen, im Amtsgericht oder verlassenen Hotels spielen lassen. Hat mit dem Norddeutschen LLoyd ein Bremer Thema aufgegriffen. Hat Festivals gegründet, liebt „Crossover-Sachen“, hat auch mal eine Einführung zur „Antigone“ auf Arabisch sprechen lassen.

Kostenlose Probenbesuche gehen auf ihn zurück. Auf seinem Spielplan stehen nicht nur Klassiker, er ist fast wild auf moderne Stoffe, hat glatt „Die Entdeckung der Langsamkeit“, einen dicken Roman von Sten Nadolny, auf die Bühne stemmen lassen. 2011 gründete er das Jub, das Kinder- und Jugendtheater. Dafür erhielt er den Innovationspreis der IHK Bremerhaven. Das alles nennt man im magistralen Kulturdezernatsprech von Bremerhaven „einen weithin sichtbaren Schritt in die Stadtgesellschaft hinein“.

Mokrusch ist stolz auf sein Theater, und wenn er einen herumführt durch sein weitläufiges Reich, einem die Jugendstil-Fassade zeigt („Das Einzige, was nach dem Krieg vom Bau blieb und 1952 ins neue Gebäude integriert wurde“), dann kann er punkten. Zum Beispiel damit, dass alles unter einem Dach vereint ist und nichts ausgelagert. Dass sein Haus technisch auf einem guten Stand ist. Und dass sein Großes Haus, merkt er lächelnd an, mit 685 Plätzen größer ist als das Große Haus des Oldenburgischen Staatstheaters (577 Plätze).

Flug nach London

Er ist zufrieden und unruhig. Eine gute Mischung. „Wir müssen den demografischen Wandel schaffen und mit knappen Mitteln was erreichen.“ Vieles, was früher selbstverständlich war, gilt heute nicht mehr: Die anreisenden Besucherkollektive werden weniger. Das Operettenpublikum nimmt ab. Und die Gruppe der Bildungsbürger ist in Bremerhaven eher klein. Trotz aller Probleme: Sein Stadttheater wird geschätzt. 2015 erhielt man den Theaterpreis des Bundes. Die Inszenierung der Kriminaloper „Der Untermieter“ ist jetzt in der Kategorie „Wiederentdeckung des Jahres“ für den International Opera Award nominiert. Es sei das erste Mal, dass eine Produktion des Stadttheaters Chancen auf einen internationalen Preis habe, sagt Mokrusch.

Die seltene Oper von Phillys Tate feierte im Juni 2018 in Bremerhaven ihre deutsche Erstaufführung. Das Werk handelt von Jack the Ripper. Der Gewinner wird am 29. April in London ausgerufen. Mokrusch fliegt zur Gala hin, auch wenn er nicht viel Hoffnung hat: „Eine Ehre ist es trotzdem“ – für ein kleines großes Kommunaltheater jenseits der Zentren.

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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