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Premiere Eine Opernrarität zum Schwelgen

Wolfgang Denker

BREMERHAVEN - Erich Wolfgang Korngold (1897–1957) dürfte den meisten Musikfreunden als Schöpfer von unvergänglichen Filmmusiken und als Komponist der Oper „Die tote Stadt“ bekannt sein. Die wurde auch in Oldenburg gespielt (zuletzt 199l), damals inszeniert von Wolfgang Lachnitt und dirigiert von Hans Herbert Jöries.

Aber Korngolds Opernschaffen weist noch viele andere Werke auf, die es neu zu entdecken gilt. Das Stadttheater Bremerhaven hat jetzt seine „Violanta“ ausgegraben, die er im Alter von erst 17 Jahren schrieb. In vielen Details weist sie schon auf seinen späteren Welterfolg hin, steht aber noch deutlich unter dem Einfluss von Richard Strauss. Das zeigt sich auch in der üppigen Instrumentierung, die ganz auf rauschhaften Klang zielt.

Die Handlung des einaktigen Werks mit nur 75 Minuten Länge spielt in Venedig im 15. Jahrhundert während des Karnevals. Violanta, die Gattin des Stadthauptmanns Simone, kennt nur den Gedanken an Rache. Rache für ihre Schwester, eine Klosternovizin, die einst vom Prinzen Alfonso verführt wurde und aus Scham Suizid beging. Sie stachelt ihren Mann dazu an, den Mord an Alfonso durchzuführen. Aber dann verliebt sie sich selber in Alfonso. Schützend wirft sie sich vor ihn und wird von ihrem eigenen Mann versehentlich erstochen.

Regisseurin Petra Luisa Meyer hat die Dreiecksgeschichte mit einer weiteren Komponente versehen. Violantas tote Schwester tritt als Geistererscheinung auf und mahnt an den Vollzug der Rache. Sie ist allgegenwärtig und bestimmt somit Violantas Schicksal aus dem Jenseits. Die Inszenierung hat die gespenstische Stimmung mit feiner Lichtregie und spannender Personenführung umgesetzt. Das Bühnenbild von Okarina Peter und Timo Dentler besteht aus Vorhängen mit glitzernden Bändern, der venezianische Karneval wird nur durch die Maskierungen der Nebenfiguren angedeutet. Projektionen von Kinderbildern der beiden Schwestern und von venezianischen Motiven ergänzen die Szene. Eine spannende, sehr fesselnde Inszenierung ist hier gelungen.

Auch musikalisch schöpfte das Bremerhavener Theater aus dem Vollen. Stephan Tetzlaff fächerte die Klangpracht, die Dramatik und die psychologisch motivierten Zwischenspiele mit dem Städtischen Orchester begeisternd auf. Die sängerischen Leistungen waren ebenfalls hervorragend. Kirsten Blanck gab die Violanta mit darstellerischer Intensität und einem hochdramatisch geführten, in der Höhe große Strahlkraft entwickelnden Sopran. Die Partie des Alfonso, die mit ihrer durchweg hohen Lage dem Bacchus in „Ariadne auf Naxos“ ähnelt, wurde von Hans-Georg Priese mit metallischem Tenor kraftvoll gemeistert. Und Sangmin Lee war als Simone eine Idealbesetzung. Sein runder Bariton wurde geschmeidig geführt und überzeugte mit großer Klangfülle.

„Violanta“ von Korngold – eine Opernrarität zum Schwelgen!

 @ Alle Theaterkritiken unter

http://www.NWZonline.de/theater

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