Friesoythe - Mehr als ein Mikrofon und seine Stimme braucht es an diesem Abend nicht. Als Andreas Neumann auf der Bühne erscheint, hat er die Gunst des Publikums schnell gewonnen. „Sie müssen nichts an mir ernst nehmen“, scherzt der Hannoveraner Parodist. „Parodie, das geht ganz leicht, wenn es geht. Ganz leicht und unbemerkt.“ Aus Andreas Neumann wird Heinz Erhardt: „Der Neumann ist jetzt weg.“
Mit einer faszinierenden Leichtigkeit imitiert Neumann vor rund 300 Zuschauern im Forum am Hansaplatz den unvergesslichen Komiker und Schauspieler. „Da sprach ich so in meine Innereien hinein: Herr Erhardt… Nein, Heinz, Heinz – ich sage ja Du zu mir.“ Seine Stimme klingt zum Verwechseln ähnlich. Schelmisch wie das berühmte Original gibt Neumann Tiergeschichten zum Besten. In denen erzählt er von „Honey“ der Biene, einer polyglotten Katze sowie einer Schnecke und einer Ziege im Finanzamt. Neumann agiert mit dem Publikum, bindet die Zuschauer in seinen Auftritt ein. Wortwitz und Doppeldeutungen ziehen sich wie ein roter Faden durch den Abend.
Spontanen Applaus erntet der Parodist, als er die berühmte Gedicht-Version „König Erl“ seines Vorbildes vorträgt. Mimik und Gestik sind perfekt aufeinander abgestimmt. So mancher Zuschauer kann die Gedichte auswendig mitsprechen. Auf charmante Weise nimmt er zwischendurch die Presse und das Publikum aufs Korn.
Für nicht weniger Begeisterung sorgt Neumann, als er von drei Fallschirmspringern erzählt, die auf einer einsamen Insel stranden: Auf der Bühne erscheinen Heinz Rühmann, Theo Lingen und Alfred Tetzlaff, denen Flaschengeist Marcel Reich-Ranicki je einen Wunsch erfüllen soll. Gekonnt wechselt Neumann binnen Sekunden zwischen den Charakteren und bringt das Publikum zum Lachen.
Ebenso brillant erzählt er die Geschichte des Oberschulrats Marcel Reich-Ranicki. Dieser will von seinen Schülern wissen, was sie über Kleists „Der zerbrochene Krug“ wissen. Empört über die unsinnigen Antworten der Schüler trägt er bei Rektor Theo Lingen seine Beschwerde vor. Großartig lässt Neumann Volksschauspielerin Inge Meysel auf der Bühne lebendig werden.
Nebenbei öffnet der Parodist sein Reisetagebuch und berichtet von seinem Urlaub an der Côte d’Azur oder vom Skiurlaub mit seiner neuen Freundin. Die habe ihm auf der Piste Hals- und Beinbruch gewünscht, erzählt Neumann: „Wie blöd. Ich mache doch nicht, was die will. Ich hab mir den Arm gebrochen.“
Da wundert es nicht, dass sich alte Bekannte wie Inge Meysel, Hans Moser und Dieter Hallervorden als Hotelpersonal in seinen Erzählungen wiederfinden. Auch Persönlichkeiten wie Loriot und Louis de Funès bereichern das Geschehen.
Nicht ohne Zugaben und tosendem Applaus lassen die Zuschauer Neumann nach seinem fast zweistündigen Programm von der Bühne.
