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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Literatur: Europäischer Intellektueller als moralische Instanz

16.09.2019

Budapest /Berlin Der ungarische Schriftsteller György Konrad ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Er erlag in seinem Budapester Heim am späten Freitagabend einer langen, schweren Krankheit, teilte die Familie mit. Konrad war von 1990 bis 1993 Präsident des Internationalen PEN-Clubs und von 1997 bis 2003 der Berliner Akademie der Künste. Er galt als einer der großen europäischen Intellektuellen mit moralischer und politischer Autorität.

Konrad „war in ganz besonderer Weise ein Zeuge des Jahrhunderts, in dem die Menschen in Europa so schreckliche Erfahrungen gemacht haben“, schreibt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Er habe die Shoa überlebt und später die kommunistische Diktatur in seinem Heimatland Ungarn erlitten.

Mit seinem „mutigen Einsatz für den Demokratisierungsprozess in seiner Heimat und seinem Eintreten für eine friedliche Überwindung der europäischen Teilung“ habe er „uns Deutschen einen großen Dienst erwiesen“, so Steinmeier. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) würdigte ihn als „eindrucksvollen Mahner“.

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Als Kind hatte Konrad einen großen Teil seiner jüdischen Familie durch den Holocaust verloren. In Budapest studierte er Literatur, Soziologie und Psychologie. Er arbeitete als Jugendfürsorger und Stadtsoziologe.

Sein Romandebüt „Der Besucher“ veröffentlichte er 1969. Der schonungslose Blick auf die offiziell verleugneten Zonen des sozialen Elends im Realsozialismus brachte ihn zunehmend in Opposition zum Regime. Er handelte sich ein Reise- und Veröffentlichungsverbot ein.

Nach und nach wurde er zum Dissidenten, der nur im Untergrund – in den Zeitschriften und Publikationen der sogenannten Samisdat-Literatur – zu veröffentlichen vermochte. Stipendien führten Konrad 1976 nach West-Berlin und in die USA. Die demokratische Wende und das Ende des Kommunismus erlebte er, als er bereits jenseits des 55. Lebensjahrs war.

Seine Romane und essayhaften Erzählungen – darunter sind „Geisterfest“ (1986), „Melinda und Dragoman“ (1991), „Glück“ (2003), „Sonnenfinsternis auf dem Berg“ (2005), „Das Buch Kalligaro“ (2007), „Gästebuch – Nachsinnen über die Freiheit“ (2016) und „Baumblätter im Wind. Ausgrabung I.“ (2017) – sind große Erinnerungsliteratur. Mit spielerischem Gestus schuf sich der Autor seine eigenen erzählerischen Gesetze, fügte Porträts, Anekdoten und Abhandlungen in den Erzählfluss ein.

Mit Elan setzte er sich für die europäische Einigung ein. 2001 erhielt er dafür den Aachener Karlspreis.

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