Oldenburg - Der Kreißsaal für die sogenannte Hamburger Schule lag gar nicht in Hamburg, sondern in der Kurstadt Bad Salzuflen, wo Bernd Begemann unter anderem mit dem „Die Sterne“-Sänger Frank Spilker 1985 das Label „Fast Weltweit“ gegründet hat. Geburtshelfer Begemann (53) spielt an diesem Sonnabend solo in Oldenburgs Umbaubar (Stau 25-27). Auch wenn er als Pate einer deutschsprachigen Musikrichtung gilt, ist dies eigentlich eine Randnotiz. Bemerkenswerter ist Begemann als Bühnen-Berserker. Selbst wer mit seinen teils fluffigen CD-Produktionen nichts anfangen kann: Begemann live als Entertainer auf der Bühne zu erleben lohnt sich. Dort setzt er eine entfesselte Rock’n’Roll-Energie frei. Seine Ansagen atmen den Geist enthusiastischer, zugleich ironisch gebrochener Rockpose. Er improvisiert, zeigt sich bemerkenswert schlagfertig und sprachlich prägnant. Voller Witz und mit Schalk im Nacken.
Rock ist die Haltung. Musikalisch ist Begemann eher Pop mit Soulattitüde. Zudem grenzt er sich von weinerlichen Singer-Songwriter-Boys ab. „Alte Soulmusik geht auch über Schmerz und Verlust. Aber die Musiker versuchen diesen Schmerz zu exorzieren“, so Begemann in einem Interview. Bei vielen weißen Indie-Rockern habe er das Gefühl, diese wollen nur „immer mehr schönen Schmerz“.
Am 18. Dezember erscheint sein neues Album „Eine kurze Liste mit Forderungen“, das er zusammen mit seiner Band „Die Befreiung“ und mehreren Gastmusikern eingespielt hat. In „Sie hat Regeln“ wird aus der Regel „Nie zu nah‘!“ im sich wiederholenden Refrainfluss ein „Tsunami“. Bei „Neulich auf der Orgie“ intoniert er im Loungemusikstil verträumt eine skurril-nachdenkliche Szene in einem Swingerclub.
„Unoptimiert“ erinnert zumindest in der Album-Version durch den Chor und die Bongos an Ennio Morricones „Abolisson“. Sicher nicht von ungefähr; ist Begemann doch auch ein wandelndes Popkultur-Lexikon. In der Show kann es passieren, dass Begemann mit seinen Konzertbesuchern auch mal ein kniffliges Popkultur-Quiz veranstaltet.
Eine Besonderheit gibt es in Oldenburg: Begemann wird auch ein Lied mit seiner zehnjährigen Tochter spielen. Als Vorbereitung auf ein Hamburger CD-Veröffentlichungskonzert des Samplers „Unter meinem Bett“, auf dem Künstler wie Käptn Peng oder Jan Plewka eigens komponierte Kinderlieder singen.
Konzertbeginn ist um 21 Uhr, Einlass um 20 Uhr. Die Karten kosten zwölf Euro an der Abendkasse.
