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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Bühnenhopping – so tanzt man auf vier Konzerten

26.06.2017

Scheeßel Ein Musik-Festival ist wie ein Kurzurlaub: Man muss gut planen und vorher wichtige Entscheidungen treffen. Wo geht es hin? Wie und wann fahre ich hin? Was muss mit? Wo schlage ich mein Zelt auf? Welche Bands möchte ich mir anschauen? Gerade letztere Frage hängt natürlich vom Timetable ab – und von einigen weiteren Faktoren. Um es vorwegzunehmen: Die Geschichte meines Samstagabends ist die einer Reihe richtiger Entscheidungen – die aber auch von einer Reihe glücklicher Zufälle abhingen.

Nicht so glücklich waren wohl jene Camper, die am Donnerstag aus Platzmangel den Sicherheitszaun nach hinten versetzt hatten, um ihre Zelte dort noch aufbauen zu können. Sicher hatten sie sich vor dem mindestens 20minütigen Fußmarsch überlegt, was sofort mit muss (Zelt, Schlafsäcke, Bier, nötiger Proviant für vier Tage) und was bei Laune noch nachgeholt wird (Wechselklamotten, Wasser, Schnickschnack). Ja, und dann stehen die feierwilligen Musikfans da – und es ist alles voll. Kein Problem, dachten sie, hinter dem Zaun ist ja noch Platz. Zaun verrückt, Zelt aufgebaut, Bier aufgemacht, alles super.

Am Samstagmorgen klopften Sicherheitsmitarbeiter an ihrer Zelttür. „Ihr müsst hier weg, bitte räumt den Platz.“ Die Rettungsgasse war nicht mehr breit genug. Also packten die Wildcamper im Regen von Scheeßel Zelt und Zeug zusammen und siedelten um. Manche Entscheidungen trifft man eben doch nicht selber. Nicht immer sind das gute.

So tanzt man beim Hurricane auf mehreren Konzerten

Ich stand nun wie viele andere Rock-Anhänger auch am Samstag vor dem schwierigen Band-Puzzle, wie ich meinen Abend zusammensetzen soll. Viele starke Auftritte hatte FKP Scorpio so angesetzt, dass sie sich überschneiden. Ich entschied mich fürs Bühnenhopping.

Um 21 Uhr beginnen Blink 182 ihre Show auf der Green Stage. Hui, Travis Barker ist seit dem Erscheinen von „All the small Things“ aber auch älter geworden, denk’ ich. Sieht wenig nach Punkband aus – und klingt auch erstmal wenig so. Das liegt daran, dass Blink mit ruhigen Liedern beginnen, und daran, dass der Sound in den hinteren Reihen etwas abseits der Mitte – wie schon bei Green Day am Vorabend – wirklich leise ist. Schade. Ich treffe eine Freundin, die ich lange nicht gesehen habe. „Kommst du mit zu Maximo Park?“

Maximo Park und Editors – Indie-Rock vom Feinsten

Fünf Minuten später stehe ich direkt vor der Red Stage und kann Sänger Paul Smith quasi in die Nase gucken. Maximo Park legen einen soliden Auftritt hin, fast schon britisch, irgendwie. Smith untermalt seinen Gesang mit Tanzmoves, die irgendwie steif wirken, aber das macht nichts. Gar nicht steif sind die Zuschauer, die bei „Velocity“ ausgelassen tanzen und anfangen, das Stroh, das der Veranstalter auf dem durchmatschten Boden vielleicht etwas zu großzügig verteilt hatte, wie Konfetti durch die Gegend zu werfen. Smith bedankt sich höflich für den tosenden und gerechtfertigten Applaus.

Ich treffe zwei Freunde, die ich Donnerstag auf dem Zeltplatz kennengelernt habe. „Wir gehen rüber zu den Editors.“

Fünf Minuten später stehe ich direkt vor der Blue Stage und lausche erneut den schönen Melodien britischer Indie-Musik. Nur eben von einer anderen Band. Es ist erstaunlich, wie leicht es ist, noch ganz vorne vor die Bühne zu kommen. Wahrscheinlich weil sich das Indie-Publikum auf zwei Bühnen verteilen muss, während sich alle Punk- und Pop-Fans bei Blink 182 versammeln. Vielleicht eine Fehlplanung. Sei`s drum, die Editors machen mir grade ebenso viel Spaß ihr Maximo Park.

Meine Bekannten wollen gehen. Auf dem Weg zum Ausgang des vorderen Bühnenbereichs treffe ich eine Freundin aus der Schulzeit. Ich bleibe. Gute Entscheidung: Das nächste Lied ist „Papillon“. Ein überragendes Lied, das die Editors gekonnt in die Länge ziehen und damit eine geradezu ekstatische Wirkung erzielen.

Irie Révoltés reißen die Red Stage ab

Abschied vom Hurricane: Irie Révoltés reißen Red Stage ab Einige Minuten später stehe ich leider nicht direkt vor der Red Stage, der Andrang bei Irie Révoltés ist zu groß. Die Heidelberger Jungs rocken gerade zu „Travailler“ und verkünden anschießend, dass das ihr letztes Hurricane sei und sie sich freuen würden, wenn die Fans mit ihnen „die Bühne abreißen“. Gesagt, getan. Die Brüder Mal Élevé und Carlito hüpfen bei launigem Ska-Punk-Sound über die Bühne. Ihre Füße berühren kaum den Boden, es ist als spielten sie „The Floor is Lava“. Ein mitreißendes Konzert, das eine größere Bühne verdient gehabt hätte. Die Veranstalter hätten sie zumindest die Blue Stage abreißen lassen können.

Doch dann wird die Band zweimal ernst: Einmal, als sie sich gegen Pegida und die AfD ausspricht und eine Flagge mit dem Slogan „kein Mensch ist illegal“ hochhält. Und noch einmal am Ende, als die Jungs in aller Ruhe den „Hurricane-Spirit“ genießen wollen. Am Ende des Auftritts treffe ich einen Freund aus meiner Heimat Ostfriesland.

Linkin Park spart Klassiker fürs Finale auf

Mit ihm stehe ich fünf Minuten später vor der Green Stage, allerdings etwas weiter hinten. Linkin Park stimmt gerade „In the end“ an - gutes Timing. Hui, Chester ist seit dem Erscheinen gar nicht so viel älter geworden, denke ich. Gut sieht er aus, und shouten kann er auch noch. Das stelle ich aber erst fest, nachdem er das Publikum die gesamte erste Strophe alleine hat singen lassen. Dann aber rocken Linkin Park die alten Stücke, die ich seit Jahren immer mal wieder höre: Faint, Papercut, Numb. Die Texte sitzen. Ein großartiges Erlebnis, die ersten Rock-Idole der Jugend live zu sehen.

Übrigens: Vier meiner Top 5 Songs habe ich erlebt, obwohl ich die ersten 80 Minuten des Konzerts verpasst habe. Fazit: alles richtig gemacht.

Sonntag wird’s deftig beim Hurricane

Heute wird es etwas deftiger auf dem Hurricane: Bei „Die Kassierer“ (15.30 Uhr, Red Stage) können sich am letzten Nachmittag alle eine große Portion ganz niedriges Niveau gönnen, die das auf dem Zeltplatz seit Donnerstag nicht ausreichend geschafft haben. Das meine ich gar nicht bösen, wer die Kassierer kennt, weiß was ich meine. (Ich habe sie damals kennengelernt als „Die ***ge*** Gummi***“.) Auch Jennifer Rostock (Green Stage, 16.45) ist für ihre freche Schnauze bekannt.

Mein absolutes Highlight dieses Hurricanes wird Wolfmother (17.45, Blue Stage). Die australischen Stoner Rocker, die ein bisschen wie eine Mischung aus AC/DC (natürlich) und Queens of the Stone Age klingen, bringen noch einmal richtigen Rock’n’Roll auf dieses Festival.

Abends wird`s dann elektronisch, bevor das Hurricane – zumindest auf der Green Stage – ruhig endet: Fritz Kalkbrenner legt ab 21.15 Uhr auf der Blue Stage auf. Und um 22.30 Uhr beendet Headliner Casper das 21. Hurricane-Festival.

Wege durch den Hurricane-Matsch

Ich hatte mir schon gestern vorgenommen, nicht über das Wetter zu schreiben. Da hat es nicht geklappt, heute fast. Nur soviel: Heute morgen hat es noch mal ordentlich gegossen, jetzt sieht es, naja, ganz gut aus. Dennoch: Die Böden sind weich und matschig, Autos drohen steckenzubleiben. Wie eigentlich jedes Jahr. Heute abend wartet dann die letzte Entscheidung auf die Besucher: Wann abreisen, und wo langfahren? Ich wünsche ein glückliches Händchen, gute Heimreise – aber zuerst einen geilen letzten Tag!

PS.: Die Red Stage wurde nach dem Abriss von Irie Révoltés wieder aufgebaut, das habe ich extra kontrolliert. Sie kann erneut abgerissen werden!

Mathias Freese
Redakteur
Sportredaktion
Tel:
0441 9988 2032

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