Falkenburg - „Wir fangen ja klein an“, meinte Jutta Schlohbohm. Die Bereichsleiterin im Kinder- und Jugendhaus der Rotenburger Werke war deshalb auch nicht unzufrieden mit dem Publikumsinteresse bei der ersten Theater-Veranstaltung der Falkenburger Einrichtung. Im Gegenteil: Dass unter den gut 40 Besuchern am Sonntag in der Lutherstift-Scheune auch einige Dorfbewohner waren, werteten sie und Gruppenleiter Jürgen Dannemann als positives Zeichen: „Wir werden wahrgenommen im Ort.“

Zu Gast in Falkenburg waren „Die Wagabunten“: Die integrative Theatergruppe der Rotenburger Werke präsentierte ihr aktuelles Stück „Die 1000000-Dollar-Note“ – das Spiel um Geld und Moral basiert auf einer Kurzgeschichte von Mark Twain. Es dreht sich um einen mittellosen Mann, der durch eine verrückte Wette zu plötzlichem Reichtum kommt. Auch die Zuschauer sollten sich fragen, wie sie und ihr Umfeld reagieren würden, wenn sie auf einen Schlag ganz viel Geld hätten, erklärte Hans-Joachim Reich, der mit seiner Frau Christiane Reich-Ludwig Regie führt.

Noch interessanter als der Inhalt ist aber der personelle Anspruch der „Wagabunten“: Menschen mit und ohne Behinderung agieren gemeinsam auf der Bühne. „Das Spannende dabei ist, die Qualitäten herauszuarbeiten, die jeder hat“, beschreibt Hans-Joachim Reich die Herausforderung für den Regisseur.

Die knapp 30 Mitwirkenden von 15 bis 65 Jahren kommen aus den Rotenburger Werken und deren Umgebung sowie von der Hochschule für Künste im Sozialen (HKS) Ottersberg, wo Reich auch Dozent ist. Die Hälfte der Gruppe ist körperlich und/oder geistig behindert. Auch Schwerbehinderte im Rollstuhl werden fantasievoll in die Produktion integriert – sie tragen das Stück mit. Den Namen der Gruppe erklärt Hans-Joachim Reich so: „Weil sie etwas wagen und eine bunt zusammengewürfelte Truppe sind.“