BüMMERSTEDE/GRODNO - Das Lied von der „Barka“, dem Boot, zieht alle in seinen Bann. Es ist das Lieblingslied des verstorbenen Papstes Johannes Paul II. und schildert die Geschichte von Petrus. Die Jugendlichen in der Holzkirche von Kemelishki, einem Dorf im Nordwesten Weißrusslands, singen im Gottesdienst für ihre Gäste aus dem Oldenburger Land. Erstmals informieren sich im Rahmen der Weißrussland-Hilfe der Sandkruger Malteser Mitglieder der Katholischen Jugend Oldenburg (KJO) über die karitative Arbeit. Der Pfarrer von Kemelishki hatte die Gruppe um den MHD-Auslandsbeauftragen Aloys Schmiegelt eingeladen.
„Etwa einmal pro Woche treffen sich etwa 30 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 16 Jahren im Gemeindehaus oder der Kirche“, berichtet Utzkuronis. Gemeinsam wird gebetet, gesungen oder gespielt. Am Lagerfeuer kommen sich die Jugendlichen und ihre Gäste aus dem Westen schnell näher. Trotz unterschiedlicher Erfahrungshorizonte: die Wünsche und Hoffnungen sind ähnlich.
Utzkuronis wünscht sich nicht nur einen Austausch mit dem Westen. Die Jugendlichen sollen nach der Ausbildung in den Ort zurückkehren. Denn die Flucht in die großen Städte wie Minsk oder Grodno hält an.
Die Zentralregierung in Minsk versucht, gegenzusteuern. Aus staatlichen Mitteln werden Häuser für junge Familien gebaut. Stolz zeigt Direktorin Christina Senjuk Malteser- und KJO-Mitgliedern die renovierte Gemeinschaftsschule von Kemelishki.
Auch die anderen Städte in Weißrussland, in denen die Malteser bereits seit Jahren Hilfstransporte bringen, gehören zu den Zielen der einwöchigen Reise. In Slonim berichtet Schwester Renata von der örtlichen Caritas, dass der Minibus für die mobile häusliche Versorgung reichlich genutzt werde. Viele Gärten konnten mit Hilfe des gespendeten Ein-Achs-Schleppers bestellt werden. Zu einem Modellprojekt für ganz Weißrussland hat sich die Holzwerkstatt für Behinderte entwickelt, die mit Unterstützung der Malteser und der Kirchengemeinde St. Josef Bümmerstede eingerichtet wurde.
Auch der stellvertretende Regierungsdirektor Vaceslav Alexandr Apanovic ist voll des Lobes über die Hilfsaktion. Auch die in Slonim eingerichtete Näherei, in der 13 behinderte junge Frauen arbeiten, funktioniert reibungslos. „Hier wurde Großartiges geleistet“, lobt Schmiegelt das örtliche Engagement unter widrigen Bedingungen wie staatliche Gängelung oder Materialmangel.
Nicht pünktlich zum 1. Juni starten konnten dagegen die Kinderfreizeiten im Ferienheim Nieciecz. Mit Hilfe der Malteser und der Gemeinde St. Josef Bümmerstede wurde eine neue Küche eingerichtet, Hilfstransporte brachten Lebensmittelkonserven – doch die örtlichen Handwerker haben nicht rechtzeitig Toiletten und Duschen installiert.
Nun beginnt das Programm eine Woche später. Alle 14 Tage können jeweils 65 Kinder aus armen Familien ihre Ferien in Nieciecz verbringen.
Bei einem Treffen mit einer katholischen Studentengruppe in Grodno erleben die KJOler abermals, wie sehr die junge Generation am Austausch interessiert ist. Die britische Popmusik aus dem CD-Player klingt vertraut; die Gesellschaftsspiele auch. „Wir haben tolle Kontakte geknüpft, da kann sich etwas entwickeln“, sagt Gerrit Haare (21), Mitglied im KJO-Bezirksvorstand. Auch Anna Wenzel (20), Ricarda Haare (19) und Thomas Hoffmann (19) wollen gern wiederkommen.
Die Sandkruger Malteser und die Kirchengemeinde St. Josef bereiten sich derweil auf den nächsten Hilfstransport für den Herbst vor.
