Wildeshausen - Mit einer Gedenkfeier haben Wildeshauser Bürger am Montag, dem nationalen Holocaust-Gedenktag, an die im Dritten Reich ermordeten Juden erinnert. Auf dem jüdischen Friedhof legten unter anderen Bürgermeister Dr. Kian Shahidi, Bodo Gideon Riethmüller vom Landesverband der jüdischen Gemeinden und Ari Eisel von der jüdischen Gemeinde Oldenburg einen Kranz nieder.

„Mögen Leid und Qual dieser Menschen niemals in Vergessenheit geraten“, sagte Shahidi in seiner Ansprache. Stellvertretend für die Wildeshauser Juden erinnerte er anlässlich des 69. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz an den Lebens- und Leidensweg des Kaufmannes Alfred Heinemann aus Wildeshausen, der von den Nazis ermordet wurde. Zuvor hatten Eisel und Riethmüller ein Totengebet gesprochen. Zudem verlas Riethmüller die Namen der zwölf Wildeshauser Juden, die dem Nazi-Regime zum Opfer gefallen waren.

Riethmüller lobte vor allem den Einsatz der Wildeshauser Schüler. Im Vorjahr gab es anlässlich des Holocaust-Gedenktages an der Realschule eine Ausstellung, die das jüdische Leben in Wildeshausen während der NS-Zeit dokumentierte. In diesem Jahr waren die Gymnasiasten gefragt. Die Schülerinnen und Schüler haben sich künstlerisch mit dem Thema „Bücherverbrennung“ auseinandergesetzt.

Im Anschluss fanden sich die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung im Gymnasium ein, um die Ausstellung zu eröffnen. „Ich bin sehr froh, dass die hiesigen Schulen einen Beitrag zur Gestaltung des Holocaust-Gedenktags leisten“, sagte Shahidi in der Schul-Aula. Er bezeichnete es als nicht hinnehmbar, „dass es in Deutschland alltäglichen Antisemitismus gibt und dass diese Tatsache kaum Beachtung findet“. Er beklagte, immer wieder sei zu hören, dass Schluss sein müsse mit dem Blick in die Vergangenheit. Doch Gedenkstunden seien keine leeren Rituale. „Es geht nicht um Schuld, es geht um Verantwortung“, sagte Shahidi vor den Gymnasiasten. „Es geht darum, sich der eigenen Geschichte zu stellen.“

Bei den Schülern stieß der Bürgermeister auf offene Ohren. „Die Leute müssen mal darüber nachdenken, was damals passiert ist“, sagte der 14-jährige Noah, der sich am Montag erstmals die Kunstwerke seiner Mitschüler anschaute. Bücher in Ketten, in Stacheldraht, halb verbrannt und durchlöchert: „Die einzige Vorgabe war, das Thema Bücherverbrennung künstlerisch zu bearbeiten“, erklärte Lehrer Marcus Hemjeoltmanns, der zusammen mit seinen Kolleginnen Silke Hoffmann und Petra Schönemann-Behrens die Ausstellung betreute. Die Ausstellung im Gymnasium kann bis einschließlich 7. Februar auch in den Nachmittagsstunden im Foyer der Schule besucht werden.