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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Kerniger Realismus in voller Lautstärke

14.08.2018

Bunderhee Niemand muss Hintergründiges oder gar Subversives in der 12. Sinfonie d-Moll op. 112 von Dmitri Schostakowitsch suchen. „Tatatamzingbumm! Schepper. Tatatataaaa! Wummwumm“, lautet ihre Botschaft. Sie galt 1961 Lenin und dem XXII. Parteitag der KPdSU. Was sucht dieser banale Bombast des sonst menschlich so tief berührenden Komponisten im Schlusskonzert der „Gezeitenkonzerte“ auf dem Polderhof in Bunderhee nahe der niederländischen Grenze?

Viel. Die Wahl steht für die spannende und auch mal verquere Vielfalt in diesem Festival der Ostfriesischen Landschaft. Zudem bringt sie ein seltenes Zeitdokument nahe, das unter dem Titel „Das Jahr 1917“ fast nur innerrussisch bekannt geworden ist. Es belegt, dass Musik ihre innere Kraft verliert, wenn sie von der Macht gegängelt wird.

Dmitri Schostakowitsch (1906–1975) war wegen seiner von der Parteilinie abweichenden Musik mehr als einmal in Lebensgefahr geraten. Diese großformatige Grußadresse zählte zu den Rettungsversuchen eines Menschen, der in ständiger Angst, dass er abgeholt wird, stets einen gepackten Koffer neben dem Bett stehen hatte.

Vor allem aber zeigt das engagierte und fast schon fanatische Spiel der Jungen Norddeutschen Philharmonie (jnp), wie man durch einen solchen Pathos-Morast trockenen Fußes schreiten kann. Der höchst anspornende und überlegen disponierende Dirigent Jonathan Stockhammer nimmt auch der Feuerkraft im Finalsatz „Morgenröte der Menschheit“ nichts von ihrer Schärfe. So kernig klingt sozialistischer Realismus in voller Lauterkeit und Lautstärke.

Stockhammer hat im Sommerprojekt hörbar überzeugend mit den 97 Musikerinnen und Musikern gearbeitet. Im Kulturprojekt jnp, in Rostock ansässig, finden sich Profis und Studierende zusammen.

Frappierend ist ihre Virtuosität in Rossinis Ouvertüre zu Wilhelm Tell und zu Mozarts Zauberflöte. „Till Eulenspiegels lustige Streiche“ von Richard Strauss werden zum saftig pointierten Kabinettstück. Bei Raffinesse und hintergründigem Lächeln fügt sich aus vielen Späßchen ein großer Spaß zusammen.

1200 Hörer feiern das Orchester enthusiastisch. 12 200 haben in acht Wochen die 32 Gezeitenkonzerte besucht. Nie in der Geschichte aller dortigen Festivals waren es mehr. „Das ist eine richtige Bürgerbewegung geworden“, sagt Matthias Kirschnereit, der künstlerische Leiter. Er deutet an, worauf der Erfolg fußt: „Wir haben Weltklasse zu Gast – doch Organisatoren und Besucher binden alle hier mit einer besonderen Herzlichkeit. Das kenne ich so nirgendwo anders.”

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