• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • LocaFox
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Platz für Stars und Gipfelstürmer

15.08.2017

Bunderhee Wer den Klang der Marimba voreingenommen als topfig empfinden mag, der fühlt sich von Simon Etzold trotzdem mitgerissen. Wer die resonanzreichen Töne auf den Tropenholzplatten liebt, der ist beim Spiel des Soloschlagzeugers aus der Sächsischen Staatskapelle sowieso hin und weg. 1500 Hörer ergeht das so beim Finale der Gezeitenkonzerte auf dem Polderhof in Bunderhee an der holländischen Grenze.

Wildwasserfahrt

Es scheint, als habe die japanische Altmeisterin Keiko Abe für ihre „Prism Rhapsody“ Maß an Technik und Musikalität des Solisten aus Dresden genommen. Mit zwei harten Schlägeln treibt er die Virtuosität auf die Spitze, mit bis zu sechs weicheren formt er Akkorde zu besonderen Farben und Stimmungen. Nach 17 Minuten Wildwasserfahrt hat seine Energie das Publikum von den Sitzen gerissen.

Man darf den Monumentalschinken „Ein Heldenleben“ von Richard Strauss als abgehangen und schwer verdaulich einschätzen. Wenn ihn das Junge Philharmonische Orchester Niedersachsen (JPON) aufschneidet, zerstiebt jedoch jeder Vorbehalt. Die 120 Musikerinnen und Musiker mit ihrem beflügelnden Dirigenten Andreas Schüller sind die anderen Stars. Sie glänzen auch in Beethovens dritter Leonoren-Ouvertüre und entwickeln Raffinesse für Salomes Tanz von Strauss.

Straussens Eigenporträt ist hier keine Selbstbeweihräucherung aus wilhelminischer Zeit mehr. Die Musiker wahren in den tosenden Passagen eine feine Ironie, die nicht arrogant wirkt. Sie pflegen ausdrucksstarke Lyrik ohne Pathos-Belastung. Und sie kultivieren die Anstöße, die in dieser Musik zu einer neuen Musiksprache über 1900 hinaus führen. Das Violinsolo von Wolfgang Hermann gerät zum Kabinettstückchen, wenn er Spielanweisungen wie „schmachtend“ oder „keifend“ zur Charakterisierung von Pauline Strauss mit augenzwinkernder Zurückhaltung anfasst.

Nähe zum Publikum

Man muss die ganze Entwicklung der Gezeitenkonzerte ohne Einschränkung bewundern. Das Festival der Ostfriesischen Landschaft fing 2012 mit 4500 Besuchern an. „Diesmal wurden 10 429 Karten verkauft“, bilanziert Dirk Lübben, der organisatorische Leiter. „Wir kommen damit an die Grenzen unserer Kapazität“, wertet Matthias Kirschnereit, der Künstlerische Leiter.

Eine weitere Quotenjagd fiele nicht schwer. 28 der 32 Konzerte waren ausverkauft. Bunderhee hätte doppelt so viele Hörer haben können. Für den Auftritt von Klavierlegende Grigory Sokolov in Leer gab es die fünffache Nachfrage. „Die großen Konzerte passen”, nickt Kirschnereit, „aber zu viele würden den unverwechselbaren Charme untergraben.“

Ob Stars von Weltrang oder enthusiastische junge Gipfelstürmer, sie alle schätzen die Intimität der Spielstätten und die fühlbare Nähe zum Publikum. „Sokolov hat für 2018 schon wieder zugesagt, auch unser Weltklasse-Geiger Christian Tetzlaff“, verrät Kirschnereit.

Und dabei blickt er so von innen heraus optimistisch drein wie nicht immer in den bewegten sechs Jahren seiner Leitung.

Weitere Nachrichten:

Jugendorchester