BURHAVE - Mehrmals war von einem immer noch möglichen Kompromiss die Rede, doch in der Auseinandersetzung um die im Langwarder Groden geplanten ökologischen Kompensationsmaßnahmen sind die Fronten verhärtet. Die Naturschutzverbände wollen nur eine natürliche Überflutung des Areals zulassen, wozu der Vordeich geöffnet oder geschleift werden muss. Der aber dürfe nicht angefasst werden, so die Haltung der im Förderverein Langwarder Groden organisierten Gegner der Pläne.
Noch einmal sehr deutlich wurden die unterschiedlichen Positionen bei einer am gestrigen Mittwochnachmittag in der Sendung „Nordwestradio unterwegs“ live aus dem Burhaver Rathaussaal ausgestrahlten Talkrunde mit Vertretern des Fördervereins und der Politik sowie der am Verfahren beteiligten Verbände. Neue Erkenntnisse brachte die von Hans-Heinrich Obuch moderierte Diskussion aber nicht, die rund 100 Besucher im Rathaussaal verfolgten.
„80 Jahre hat der Vordeich die Menschen geschützt, nun müssen die Menschen den Vordeich schützen“, zeigte sich Förderverein-Vorsitzender Dieter Brockhoff recht kämpferisch. Freiwillig werde man keinen Quadratmeter Land den Behörden oder dem Meer überlassen. Dieter Brockhoff geht davon aus, dass keine Bagger anrücken werden, denn das teure und unsinnige Vorhaben, bei dem mehrere hundert Kubikmeter Erde bewegt werden sollen, sei nicht mit dem Natur- und Küstenschutz in Einklang zu bringen.
Über einen Naturschutz mit dem Bagger ärgere er sich, machte BUND-Kreisvorsitzender Dr. Wolfgang Meiners deutlich. Der Ausgleich für Eingriffe in die Natur sei von unserer Gesellschaft gewollt. Dabei komme es aber auf das Wie an. Im Fall Langwarder Groden sei einiges schief gelaufen, verursacht durch „Schreibtischtäter“. Hier müsse und könne noch zurückgesteuert werden. Die naturschutzrechtliche Auflage, das Entstehen von Salzwiesen, könne auch ohne Deichöffnung oder -schleifung durch einer Erneuerung des Sieldurchlasses erreicht werden.
Das sieht Beatrice Claus von der internationalen Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) ganz anders. Der Langwarder Groden besitze aus naturschutzfachlicher Sicht derzeit einen mittleren Wert. Der werde durch das Entstehen von Salzwiesen deutlich erhöht, so dass die Maßnahme auch sinnvoll sei. Zudem stelle der künstlich geschaffene Vordeich mitten im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer einen Fremdkörper dar, stellte die WWF-Expertin fest und stieß damit auf große Empörung bei den Zuhörern.
Die Diskussion im Lande sei überall die gleiche: ökologischer Ausgleich ja, aber nicht bei mir, machte Carl-Wilhelm Bodenstein-Dresler deutlich. Der niedersächsische BUND-Landesgeschäftsführer erinnerte daran, dass auch hinsichtlich der Kompensationsmaßnahmen alles vor Gericht ausgefochten worden sei. Dennoch seien die Naturschutzverbände zu einem Kompromiss bereit, der eine Öffnung des Deiches an zwei Stellen statt der Schleifung vorsieht. Doch statt darauf einzugehen, suche der Förderverein die Konfrontation, so Bodenstein-Dresler.
