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Evangelische Kirche In Butjadingen Immer weniger Pastoren – nun sollen’s Ehrenamtliche richten

Von Rolf Bultmann Detlef Glückselig

Butjadingen - Viele Gemeinden der oldenburgischen Landeskirche stehen vor einschneidenden strukturellen Veränderungen. Dazu gehören auch die sechs evangelischen Kirchengemeinden in Butjadingen, die eine weitere Pastorenstelle einbüßen werden, wenn im Herbst Pastor Joachim Tönjes in den Ruhestand wechselt.

Sparmaßnahmen, die die Landeskirche dringend vornehmen muss, und der sich verstärkende Pastorenmangel werden in der Region zu einer deutlich spürbaren Reduzierung der Pfarrstellen führen. Bis zum Jahr 2030 sollen in der oldenburgischen Kirche laut Beschluss der Landessynode die jetzt noch 250 Pfarrstellen auf 173 zusammengestrichen werden – wobei angesichts des Mangels an Pastorennachwuchs fraglich ist, ob die Stellen überhaupt mit Pastorinnen und Pastoren besetzt werden können.

Ganz aktuell betroffen sind die sechs evangelischen Kirchengemeinden in Butjadingen: Burhave, Eckwarden, Langwarden, Stollhamm, Tossens und Waddens. Sie verfügten bis zum Jahr 1986 über rechnerisch 5,5 Pfarrstellen. Derzeit sind es noch drei, wobei eine nach dem Ausscheiden von Pastor Hartmut Blankemeyer vakant ist. Die betroffenen Gemeinden Langwarden und Tossens werden von Pfarrer Mario Testa betreut, der aber nur als Springer des Kirchenkreises Wesermarsch eingesetzt ist. Und in einigen Wochen wird es eine weitere Vakanz geben.

Kooperation seit 2007

Zum 1. Oktober tritt nach 27 Jahren Stollhamms Pfarrer Joachim Tönjes, der auch Eckwarden betreut, in den Ruhestand. Am 23. September wird er offiziell verabschiedet. Wie Dirk-Michael Grötzsch, Pressesprecher der Oldenburgschen Landeskirche bestätigt, wird seine Stelle nicht wieder besetzt. Es verbleibt Pastor Klaus Braje aus Burhave, der zusätzlich für Waddens zuständig ist. Langfristig, so der Plan der Landeskirche, soll es nur noch eine Pfarrstelle für die sechs Butjadinger Kirchengemeinden geben.

Immerhin: Die Gemeinden trifft diese Entwicklung nicht völlig unvorbereitet. Bereits jetzt bilden Burhave, Eckwarden, Langwarden, Stollhamm, Tossens und Waddens sowie die benachbarte Kirchengemeinde Abbehausen einen Kooperationsverbund. Er besteht seit 2007 – ohne dass die Kirchengemeinden dabei ihre Eigenständigkeit eingebüßt hätten. Neben dem Kanzeltausch und der gegenseitigen pastoralen Vertretung werden bei regelmäßigen Treffen Informationen ausgetauscht, Veranstaltungen vorbereitet und die Fortentwicklung der Zusammenarbeit beraten.

Einig sind sich Klaus Braje, Joachim Tönjes, Mario Testa und ihr Abbehauser Amtskollege Matthias Kaffka, der bereits jetzt auch Eckwarden mit betreut, dass die sich abzeichnende Entwicklung für die Kirchengemeinden eine große Herausforderung darstellt.

Wenn künftig ein einziger verbliebener Pastor auf der 129 Quadratkilometer großen Halbinsel viel Zeit im Auto verbringen muss, um für seine pastoralen Tätigkeiten über die Dörfer zu fahren, wird immer mehr der Einsatz Ehrenamtlicher, besonders der Kirchenältesten, nötig sein.

„Die können das auch“, ist Joachim Tönjes überzeugt. So sei bereits jetzt in fünf der sechs Butjadinger Kirchengemeinde nicht der Pastor, sondern ein Kirchenältester Vorsitzender des Gemeindekirchenrats. „Die Situation ist schwierig, aber nicht existenzbedrohend“, ist auch Matthias Kaffka zuversichtlich, dass sich für Engpässe Lösungen werden finden lassen. Mario Testa weist darauf hin, dass das Gemeindeleben auch in der Vergangenheit schon mit viel ehrenamtlichem Engagement gefördert worden sei.

Große Bereitschaft

Die Bereitschaft, den Pastor zu unterstützen, sei da, versichert Rolf Siefken. Der Kirchenälteste und Vorsitzende des Eckwarder Gemeindekirchenrates wünscht sich jedoch eine bessere finanzielle Ausstattung der örtlichen Kirchenverwaltung, damit die Ehrenamtlichen insbesondere bei bürokratischen Tätigkeiten durch das Kirchenbüro entlastet werden können.

Die pastorale Versorgung der Gemeinden gefährdet sieht Jan-Wilhelm Hessenius, Kirchenratsmitglied und Lektor in Tossens. Ein Problem sieht er vor allem auch in der seiner Meinung nach erheblich erschwerten Lektoren-Ausbildung. Die Änderung im Lektoren-Gesetz hätte die Bereitschaft, sich als Ehrenamtlicher zum Lektor ausbilden zu lassen, deutlich gemindert, so der Tossenser. Hier müsse die Kirche umdenken.

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