CAPPELN - Schlimme Zeiten hatten Paul Haupt aus Diekhaus bei Cappeln und der damalige Student und jetzige Altbischof von Passau Dr. Franz Eder im russischen Kriegsgefangenenlager Tschiatura verbringen müssen. Nach 65 Jahren gab es nun vor einiger Zeit ein Wiedersehen zwischen den beiden Leidensgefährten von damals.
Bei Kriegsschluss ging es von der Tschechoslowakei über ein Zwischenlager in Rumänien in die jetzige Kaukasusrepublik Georgien. Dort haben beide gemeinsam mehrere Jahre hinter Stacheldraht verbringen müssen. Paul Haupt war bis September 1949 in russischer Kriegsgefangenschaft. Sein Kamerad Franz Eder kehrte wegen nicht auszuheilender Kriegsverwundung Anfang 1948 in seine Heimat nach Pfarrkirchen (Bayern) zurück.
Vor einigen Monaten haben sich die einstigen Leidensgenossen auf sehr verschlungenen Wegen wiedergefunden. Und das geschah auf abenteuerliche Weise. Die Tochter eines evangelischen Pastors, der damals ebenfalls jahrelang im Lager Tschiatura zubringen musste, war mit ihrem Ehemann zu einem medizinischen Vortrag nach Tiflis (Georgien) gereist. Dabei machte sie einen Abstecher zur 80 000 Einwohner zählenden Stadt Tschiatura. Vom dortigen Bürgermeister Rostom Zarzidse erfuhr sie Paul Haupts Adresse. Der Bürgermeister war nämlich im Jahr 2006 mit drei georgischen Begleitern zwei Wochen lang im Hause Haupt zu Gast gewesen (dieNWZ
berichtete). Von der Pastorentochter erfuhr dann der heutige Bischof em. Dr. Franz-Xaver Eder in Passau Paul Haupts Aufenthaltsort und nahm sofort überaus freundschaftliche briefliche und telefonische Kontakte mit ihm auf. Kurz danach traf man sich in Passau wieder.Der 89-jährige Paul Haupt und sein Enkelsohn Simon Haupt fanden mehrere Tage im Hause von Bischof Dr. Eder und dessen Schwester Maria Höllrigl, die ihm den Haushalt führt, eine überaus herzliche Aufnahme. Assistiert von seiner Sekretärin und dem Redakteur des Bistumsblattes Werner Friedenberger tat er alles, damit die Wiedersehensreise nach Passau für seinen ehemaligen Kameraden zu einem unvergesslichen emotionalen Erlebnis wurde.
Neben mancher „Plauderstunde unter Kameraden“ standen unter anderem eine ausgedehnte Besichtigung der schönen Donaustadt Passau, eine Schifffahrt auf der Donau sowie Fahrten zum Wallfahrtsort Altötting und zum Geburtshaus von Papst Benedikt XVI. auf dem Besuchsprogramm. Sehr beeindruckt waren die Gäste aus Südoldenburg auch vom Besuch eines Gottesdienstes im majestätischen Dom von Passau, einem Meisterwerk sakraler Baukunst mit der größten Kirchenorgel der Welt.
