Elsfleth - Ist Poetry Slam nur ein Wettstreit junger Bühnendichter oder performte Nabelschau auf eigene Befindlichkeiten? Das war auf dem Campus des Fachbereichs Seefahrt ziemlich egal. Fest stand nach zwei Stunden: der erste Poetry-Slam-Wettbewerb war ein toller Erfolg und hatte allen eine Menge Spaß gemacht.

Die Initialzündung der Elsflether Premiere hatte SHW-Student Konrad Schmidt in Gang gebracht, unterstützt wurde er vom Fachschaftsrat und Dörthe Perbandt (Jade Hochschule). Seit drei Jahren zählt Konrad sich zur exklusiven „Slamily“, der Familie der Slam-Poeten. In Hamburg, dem Mekka der Slam-Poeten, wurde er bei einem Wettbewerb Sieger – zu seiner eigenen Überraschung.

Acht junge Frauen und Männern hatte Konrad jetzt am Fachbereich in einem Kursus in die Geheimnisse der Bühnenpoesie eingeweiht. Vier von ihnen trauten sich erstmals vor ein großes Publikum zu treten, und das mit viel Erfolg und noch mehr Beifall von den vorwiegend jungen Besuchern.

In die Riege der Wettbewerbsteilnehmer hat sich der längst in der Szene bekannte Slam-Poet „Credo“ eingereiht – allerdings außer Konkurrenz. Mit seinem Poetry-Slam über die Retro-Welle der musischen 90er Jahre beackert er mit viel Humor ein ganz weites Feld. Und dann waren da noch die vier Slam-Aspiranten, die am Premierenabend auf viele „Follower“ im Publikum hofften. So auch Theresa, die sich in ihrem Text Gedanken über einen jungen und einen alten Mann machte, die beobachtet, dass beide Männer nie mehr als fünf Meter voneinander entfernt sind. Cordula rechnet mit ihrem Ex, dem unerträglich penetranten „Kümmerer“, ab und poliert ihr Ego endlich und ohne ihn auf Hochglanz.

Für Louise besteht das Universum aus tausenden von existenziellen, rhetorischen, trivialen und was weiß ich für Fragen: Liebst du mich und wer hat den Keks aus der Dose geklaut? Das ist mehr als nur zum Schmunzeln, auch wenn es keine Antworten gibt. Captain Kirk, Paranoia, Instagram und Johann mit dem Verfolgungswahn – daraus zaubert Xaver ohne Textvorlage eine Szene, die eher an Schauspiel als an Poetry-Slam denken lässt. Dem Publikum gefällt’s. Und so erhält Xaver den lautesten Beifall und die meisten Punkte der Jury. Er siegt ganz knapp vor Louise.