CAROLINENSIEL - Großen Anklang findet die kürzlich eröffnete Museumsschau „Grüße aus Riga“ in der Alten Pastorei des Deutschen Sielhafenmuseums Carolinensiel. Die Ausstellung zeigt Geschichten zur Ostseefahrt ost-friesischer Kapitäne im 19. Jahrhundert.

Sie entstand in Kooperation mit dem niederländischen Veenkoloniaal Museum in Veendam. Das Museum hat viele Leihgaben nach Carolinensiel gegeben und auch Privatleute, zum Teil Nachfahren ehemaliger Kapitäne, haben Stücke zur Verfügung gestellt.

So zeigt eine Vitrine nur Kapitänslöffel mit den Namen der großen Häfen der Ostsee wie Reval, Riga, St. Petersburg, Narwa, Danzig, Pillau oder Riga. Die Kapitäne erhielten sie als Anerkennung von Reedern oder Schiffmaklern für den Erfolg ihres Schiffes. Unter den Souveniers, die Kapitäne mit nach Hause brachten, befinden sich bemalte Holzgefäße, Spanschachteln, Miniaturmöbel, Beistelltische oder Gedecke aus russischem Porzellan.

Als alteingesessene Kapitänsfamilien tauchen die Namen Büschen, Haak, Aries, Dunker, Jacobs und Janssen sowie Ulfers auf. Die Autorin Marie Ulfers schuf mit ihrem Werk „Windiger Siel“ ein Bild der damaligen Zeit.

In der Ausstellung sind außerdem Briefe von Kapitänen zu finden, die über das Leben in den Handelsstädten und von ihren Sorgen und Nöten berichten, wenn sie nicht genügend Fracht aufnehmen konnten oder die Preise für die Fracht sehr niedrig lagen. Auch viele Postkarten aus den Hafenstädten rund um das Mare Baltikum sind zu sehen.

Im Ostfriesischen Amtsblatt unter der Sparte Schiffsnachrichten finden die Besucher Kopien von akribisch zusammengetragenem Material über Schiffsverluste und Todesnachrichten von Schiffangehörigen oder ganzer Schiffsbesatzungen. Konkrete Schicksale von Schiffen und Menschen von den Sielorten geben Zeugnis von Freud und Leid der Seefahrt: Schiffe und Ladung waren zwar versichert, nicht aber die Seeleute.

„Nachweislich sind 44 ostfriesische Schiffe am Handel mit den Hafenstädten in Russland, Estland und Lettland beteiligt gewesen“, sagt Dr. Wulf Holtmann aus Brandenburg. Neben Eva Zwißler aus Köln ist er für die Konzeption der Ausstellung verantwortlich.

Das Sielhafenmuseum möchte mit dieser Ausstellung Anstoß geben, nach Bildern oder Unterlagen aus der Fahrenszeit der eigenen Vorfahren zu forschen.

Infos unter www.deutsches-

sielhafenmuseum.de