CAROLINENSIEL - Als nach rund einer Stunde der große Andrang von Publikum und Medien nachlässt, alle Bilder und Aufnahmen für Funk und Fernsehen im Kasten sind und der große, greise Schauspieler und Sänger Johannes Heesters (105) zum Durchatmen kommt, da traut sich ein kleiner Junge schüchtern nach vorn.

Artig stellt er sich vor: „Ich bin Philipp und möchte mal ein großer Schauspieler werden.“ Der berühmte Heesters ergreift die Hand des Kindes aus Aurich, zieht den Achtjährigen zu sich heran. Sie unterhalten sich kurz. Heesters gibt ihm ein paar „Karrieretipps“ und macht dem Jungen Mut: „Schauspieler – das ist ein sehr schöner Beruf.“

Dann verabschiedet er sich von seinem kleinen Fan, der fast 100 Jahre jünger ist als er: „Sag’ deiner Mutter einen lieben Gruß von Johannes Heesters.“

Das Erscheinen von Johannes Heesters, der seine 45 Jahre jüngere Ehefrau, die Schauspielerin, Fotografin und Malerin Simone Rethel-Heesters, zu einer Ausstellungseröffnung im K(ult)urzentrum „Cliner Quelle“ in Carolinensiel im Kreis Wittmund begleitete, hat am Sonntag für großes Aufsehen im Ort gesorgt. Fotografen und Kameramänner drängeln sich um das berühmte Paar. Auch aus dem Publikum blitzen unentwegt kleine Digitalkameras. Reporter fragen den nahezu erblindeten Heesters, wie ihm die Bilder seiner Frau gefallen.

Viele Werke, die Simone Rethel-Heesters in den nächsten vier Wochen in der Cliner Quelle zeigt, entstanden bereits vor etlichen Jahre, andere sind deutlich jüngeren Datums. Vier Bilder setzten sich mit der Dramatik und der Tragödie des 11. September auseinander.

Simone Rethel-Heesters Vorbilder sind die großen Expressionisten und so zeigt sie in kontrastreichen Farben vorwiegend Collagen, Familienszenen, Naturmotive und Tournee-Erlebnisse. Manche Skizzen mag Heesters noch gesehen haben, bis diese manchmal erst viele Jahre später zu Bildern aus Farben von plakativer Leuchtkraft wurden oder als Aquarelle ihre endgültige Form fanden.

Das ganze Wochenende hat Heesters, der auch von seiner Tochter, der Schauspielerin Nicole Heesters, und einem befreundeten Paar begleitet wurde, an der Küste verbracht und hat sich am Deich die Nordseeluft um die Nase wehen lassen. Es gehe ihm gut, sagt Heesters, die Liebe halte ihn jung. Die Menschen am Meer und das Meer selbst seien wunderbar. Er habe sich sehr nett mit Urlaubern unterhalten, die ihm unvermittelt beim Strandspaziergang begegnet seien. Am Nachmittag wolle er noch Eske Nannen in Emden besuchen.

Trotz seines hohen Alters macht Heesters einen sehr präsenten und konzentrierten Eindruck. An diesem Montag geht es wieder zurück nach Hause, an den Starnberger See. Vorher will ihn Rio de Luca, legendärer DiscJockey aus Wittmund, noch zu einem Handabdruck für Wittmunds Promi-Meile „Hands of fame“ überreden.

Die Ausstellung mit Bildern von Simone Rethel-Heesters ist bis Sonntag, 4. Oktober, täglich von 10 bis 17 Uhr im Kurzentrum „Cliner Quelle“ in Carolinensiel zu sehen.

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