Oldenburg - Das Oldenburgische Schloßorchester pflegt eine enge und fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Solo-Cellisten der Deutschen Oper Berlin, Michael Hussla. Hussla, der mittlerweile selbst internationale Meisterkurse für den Cello-Nachwuchs gibt, war Schüler des berühmten André Navarra.
Zum sinfonischen Konzert des Oldenburger Schloßorchesters im Oldenburger Schloß – wo sonst? – brachte er eine überzeugende Version des im Konzertleben viel zu wenig beachteten Violoncello-Konzerts in D-Moll von Edouard Lalo mit.
Die packende Dramatik, die sehr differenzierte Rhythmik und der Sinn für die unterschiedlichen Klangfarben der verschiedenen Instrumente brachte diese überaus gelungene Wiedergabe des sinfonischen Hauptwerks von Lalo schlagend vor Ohren. Hussla entlockte dem Cello atmende und dynamisch vibrierende sangliche Melodielinien, die vom gut einstudierten Schloßorchester unter der souveränen Leitung von Norbert Ternes gefühlvoll, ausdrucksstark und griffig in einen teils dramatischen, teils episch-erzählenden Fortgang eingebettet wurden.
Das musikalische Programm des Abends begann mit einem kaum bekannten Appetithäppchen von Franz Schubert, der Ouvertüre „im italienischen Stil“, D 590. Der „italienische Stil“ bezieht sich auf eine musikalische Mode im alten Wien, im Anschluß an populäre Werke von Rossini exponiert sehr helle Bläserklänge einzusetzen. Schon bei der Interpretation dieser klangsinnlichen Ouvertüre mit eingängigen Melodien kristallisierte sich ein durchgängiges Plus des Abends heraus: das bestens organisierte und gelingende Zusammenspiel von Streichern und Bläsern.
Das kompositorische Schwergewicht des Abends, Beethovens 8. Sinfonie in F-Dur, op. 93, die Beethoven direkt im Anschluss an die berühmte 7. Sinfonie schrieb, gelangte nie zu einer einheitlichen ästhetischen Interpretation. Für Beethoven selbst stand sie wertmäßig noch über seiner Siebten. Von der Siebten her gedacht hätte die Achte rhythmisch noch akzentuierter, noch temporeicher, noch aggressiver, noch gewalttätiger gespielt werden müssen.
Norbert Ternes entschied sich hier für einen anderen Interpretationsansatz. Seine Sicht auf die Partitur, überzeugend vom Schloßorchester umgesetzt, ließ einen ganz aus der Wiener Klassik, vor allem von Joseph Haydn herkommenden Beethoven der ausgeglichenen Proportionen und der subtilen Arbeit am Detail hören, nicht den enthusiastischen Propagandisten der nationalen Befreiungskriege.
