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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Chelsea Hotel In New York: Oldenburger Tür an Tür mit den Superstars des Rock

29.05.2020

New York Als die Rocksängerin Patti Smith 1969 das El Quijote Restaurant im Erdgeschoss des New Yorker Hotels Chelsea betrat, saß dort bereits Janis Joplin zusammen mit der Rockband Jefferson Airplane und an einem Tisch neben der Tür dinierte Jimi Hendrix, seinen legendären Hut tragend. Weiterhin erinnert sich Smith in ihrer Autobiografie auch an den deutschen Wissenschaftler Gert Schiff, den sie gelegentlich mit Picasso-Bänden bewaffnet auf dem Flur traf.

Als jener Gert Schiff 1965 von Deutschland nach New York übersiedelte und im Flugzeug seinen Sitznachbarn nach einer passablen Unterkunft für einen längeren Aufenthalt in der Stadt fragte, antwortete dieser: „Wenn es Ihnen nichts ausmacht auf dem Korridor einem Leoparden zu begegnen, gehen Sie ins Hotel Chelsea.“ Von diesem Tag an wurde das New Yorker Hotel Chelsea in der 23ten Straße für fast ein Jahrzehnt die Heimat des 1926 in Oldenburg geborenen Kunsthistorikers.

Gert Schiff galt als führender Füßli- und Picasso-Experte und war dem Ruf einer Professur des New Yorker Institute of Fine Arts gefolgt. Schiff sah zwar nie einen Leoparden, allerdings sagt man Alice Cooper nach, er sei über die Korridore mit einer Python um den Hals geschlendert.

Schriftsteller der „Beat-Generation“ hatten bereits in den 50er Jahren das Chelsea für sich entdeckt. William Burroughs schrieb dort seinen Besteller Roman „Naked Lunch“ und Jack Kerouac arbeitete am Manuskript seines Kultromans „On the Road“ (Unterwegs). Anfang der 60er lebte Arthur Miller nach seiner Trennung von Marilyn Monroe in Zimmer 711.

In seiner Veröffentlichung in der Kultur-Zeitschrift „Du“ gab Gert Schiff 1971 detaillierte Einblicke in Begegnungen mit Schriftstellern, Underground Künstlern und Pop-Ikonen der 60er Jahre. „Im Chelsea wohnten außer Malern, Musikern, Theater- und Filmleuten uralte Rentner und von zu Hause weggelaufene Hippies, alte Village-Bohemiens und Kabbalisten“.

Nach dem Newport Music Festival 1967 brachte der kanadische Folk-Barde Leonard Cohen die ebenfalls aus Kanada stammende Sängerin Joni Mitchell ins Chelsea, die das legendäre Hotel in ihrem Song „Chelsea Morning“ verewigte. Ein Jahr zuvor hatte Andy Warhol seinen berühmten Film „Chelsea Girls“ vor Ort gedreht, allerdings bestand Geschäftsführer Bard darauf, dass die übrigen Gäste des Hauses nicht durch die Dreharbeiten belästigt würden.

Schiffs engerer Freundeskreis gehörte eher einer anderen Generation an. In seinem Artikel für „Du“ skizziert er anregende Bierabende mit dem Anthropologen und Filmemacher Harry Smith, der bei diesen Treffen mit Vorliebe Brecht-Weills „Mahagony“ auflegte. Dabei lernte Schiff auch den Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke kennen, der 1968 mit Stanley Kubrick „2001: A Space Odyssey“ produziert hatte. Clarke war nach New York gekommen, um zusammen mit dem berühmten Fernsehkommentator Walter Cronkite die erste Mondlandung live zu moderieren.

Nachdem der deutsch-amerikanische Rock-Impresario Bill Graham 1967 das Fillmore East in New York als Pendant zum San Franciscoer Rockauditorium Fillmore West eröffnete, bevölkerten Rockbands aus dem ganzen Land das Chelsea. Schon Tage vor dem legendären Woodstock Music Festival 1969 waren die meisten Plätze des El Quijote-Restaurants mit den Rockidolen des gesamten Landes belegt.

Michael Lang, einer der Hauptorganisatoren des Festivals, ging im Chelsea ein und aus, um Verträge mit den Musikern auszuhandeln und das ins Wanken geratene Festival vor dem Scheitern zu retten. Bands wie Jefferson Airplane, The Byrds oder Canned Heat waren für die alteingesessenen Bewohner wie Schiff gut zu erkennen, denn sie trugen meistens die Kleider und Gewänder, die man aus ihren Konzerten kannte.

Obwohl Gert Schiff neugierig und offen für die pulsierende Atmosphäre der Subkultur der Woodstock-Ära war, bestand sein näherer Freundeskreis aus dem akademischen Umfeld seiner Lehr- und Forschungstätigkeit. Ausufernde Gelage wie eine exzentrische Party der Rolling Stones, die für zwei Hotelangestellte im Bellevue-Krankenhaus endete, irritierten den Kunsthistoriker zunehmend.

Als Schiff Mitte der 70er wegen anhaltender Unruhe und Lärm der Rockgruppen ein elegantes im Biedermeierstil eingerichtetes Apartment an der Upper Westside bezog, bedauerte er gleichzeitig mit Wehmut, dass er Gruppen wie Jefferson Airplane nicht mehr live hören könne, ohne dabei sein Zimmer zu verlassen.

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