Die Zusammenarbeit sei sehr erfolgreich. Inhaltliches Lernen steht im Zentrum des Chorprojekts.
Von Vera MerckerOldenburg
– Mit dem Singen fing alles an. Als der Chor der Evangelischen Studentinnengemeinde (ESG) Oldenburg, „Red Roosters“, seine Koffer vor sechs Jahren packte, um in Namibia an einem Gospelprojekt teilzunehmen, ahnte noch niemand, dass dies der Beginn einer überaus erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem namibischen Jugendchor „Bridge Walkers“ werden sollte.Aus dem Besuch entwickelte sich ein regelmäßiger Austausch, der nun, vom 28. Mai bis 5. Juni, in Oldenburg einen neuen Höhepunkt erreichen soll. Neben einer intensiven Workshoparbeit zu politisch-kulturellen Fragen stehen am Wochenende über den 2. und 3. Juni zwei öffentliche Konzerte auf dem Programm, bevor es zum gemeinsamen Auftritt auf den evangelischen Kirchentag nach Köln geht.
Das Repertoire der choralen Zusammenarbeit besteht aus traditionellen und modernen Gospels sowie klassischen oder auch jazzigen geistlichen Werken. Vor allem die Verbindung afrikanischer Trommeln mit den Klick- und Schnalzlauten der Khoikhoi-Sprache wirkt faszinierend auf den Zuhörer. „Das Besondere aber an afrikanischer Chormusik ist, dass sie im alltäglichen und politischen Leben der Menschen tief verwurzelt ist“, so Uda Lübben, Sprecherin des Begegnungsprojekts. „Wir haben erlebt, dass sie dort jede Menge bewirken kann.“
Und dass die Kraft, die von der Musik ausgeht, für die jugendlichen Sänger zum Teil bitter nötig ist, haben die Gäste aus Deutschland bei ihren Besuchen in der Heimat ihres Partnerchores erfahren. Katutura, zu deutsch „Ort, an dem wir nicht leben wollen“, ist ein zu Zeiten der Apartheid entstandenes Schwarzenviertel in der Hauptstadt Windhoek. Dort wirken die Folgen der Diskriminierung bis heute nach, die Arbeitslosigkeit ist hoch, Straßenkinder gehören zum traurigen Stadtbild und die Verbreitung von AIDS zeigt schlimme Folgen.
Die Bridge Walkers wollen dort mit Disziplin und Beharrlichkeit neue Wege für die Jugendlichen aufzeigen und große Ziele erreichen – wie zum Beispiel eine Tournee nach Deutschland.
In Oldenburg erwartet sie die ESG in diesem Jahr neben viel Musik mit Workshops zu den Themen Nachhaltigkeit, Musiktheorie, Öffentlichkeitsarbeit und HIV – denn das voneinander Lernen über Herkunftsländer, Lebensbedingungen und die jeweiligen Zukunftsperspektiven ist zentraler Bestandteil der interkulturellen Zusammenarbeit der beiden Chöre.
Eine Präsentation der Ergebnisse findet am 4. Juni um 15.30 Uhr im Bibliothekssaal der Universität statt. Konzerttermine: Sonnabend, 2. Juni, 19 Uhr im PFL-Kulturzentrum (Tourneeprogramm der Bridge Walkers mit Theater und Tanz);
Sonntag, 3. Juni, 19 Uhr in der Garnisonkirche (gemeinsames Chorprogramm Bridge Walkers und Red Rooster).
