Rastede - Der Künstler selbst sieht sich in der Tradition der Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts. Landschaftsmalerei – da stellen sich die meisten Menschen Bilder von schönen Gärten vor, von Seen, Wiesen oder Bergen. Dass er in der Tradition dieser Kunst steht, bedeutet aber nicht, dass Christoph Peter Seidel die Landschaftsmalerei nicht weiterentwickelt. Auf seinen Bildern ist die Natur pulsierend und lebendig. Christoph Peter Seidel war am Sonntag zur Vernissage seiner Ausstellung mit dem Titel „Ins Grüne“ in das Rasteder Palais gekommen.
„Es geht ja immer um die Frage, wie man Malerei neu erfinden kann“, sagt der Mann mit den schulterlangen Haaren. „Da dreht man an jeder Stellschraube.“ Die Schrauben, an denen er gedreht hat, sind unter anderm die extremen Formate, Formen, die in den Raum hineinragen, transparente Bildträger aus Nylon oder Firnis mit Perlmutt, die die Werke seidig schimmern lässt.
In die Bilder des Künstlers führte eine Expertin ein: Dr. Sabine Isensee, Leiterin des Bereichs Bildende Kunst bei der Stadt Oldenburg, erklärte den Gästen kunsttheoretische Hintergründe zur Ausstellung.
Weil die Natur im Leben der Menschen eine immer geringere Rolle spiele, werde das Naturerleben mehr und mehr zum Freizeiterlebnis, zu einer Flucht aus dem Alltag.
Natur, sagt Isensee, sei unabhängig von uns da, während Landschaft ein kognitives Konstrukt sei. Landschaft sei eine kulturelle Größe – sie ist von Menschenhand geformt oder wird vom menschlichen Auge als geformt wahrgenommen. Mit diesem Gegensatz spielt Seidel, dessen Landschaftsbilder mitunter mehr an unbelassene, lebendige Natur erinnern.
Pulsierend und unkontrolliert wirkt auch der Aufbau der Ausstellung: Die Bilder liegen zum Teil auf dem Boden oder hängen an der Decke. Und „die Werke korrespondieren mit den Aussichten in den wunderschönen Palaisgarten“. Das sagte Dr. Claudia Thoben, Leiterin des Palais, in ihrer Begrüßung.
Das Palais ist mittwochs bis freitags sowie sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Die Ausstellung läuft bis Sonntag, 1. September.
