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Literatur Chronist deutscher Verhältnisse

Andreas Heimann

Berlin/Nartum - Beliebt bei den Lesern war Walter Kempowski von Anfang an. Bereits eines seiner ersten Bücher „Tadellöser und Wolff“ (1971) über seine Jugend während des Nationalsozialismus wurde ein Bestseller und von Eberhard Fechner fürs ZDF verfilmt.

Romane wie „Uns geht’s ja noch Gold“ und „Herzlich willkommen“ knüpften daran an. Aber bei Kritikern und Kollegen stand Kempowski nicht hoch im Kurs. Anders als Heinrich Böll und Günter Grass galt er nicht als intellektuelles Schwergewicht. Kempowski hat lange darunter gelitten. Am 29. April wäre der 2007 gestorbene Autor 85 Jahre alt geworden.

Riesige Collage

Zur Welt kam Walter Kempowski am 29. April 1929 in Rostock, als Sohn eines Reeders. Drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er in der Sowjetisch Besetzten Zone verhaftet und wegen Spionage verurteilt. Acht Jahre lang war er im berüchtigten DDR-Zuchthaus in Bautzen inhaftiert. Sein eindrucksvolles Frühwerk „Im Block“ (1969) verarbeitet diese Gefängniserfahrungen.

Anschließend studierte er in Göttingen unter anderem Pädagogik und nahm eine Lehrerstelle in Nartum an. Der kleine Ort zwischen Bremen und Hamburg wurde – nach Rostock – seine zweite Heimat und ein Treffpunkt für junge Autoren: Kempowski lud regelmäßig zu Lesungen in sein „Haus Kreienhoop“ ein und veranstaltete dort Literaturseminare.

In „Haus Kreienhoop“ schrieb der Workaholic auch ein Buch nach dem anderen, Romane vor allem. Als Dozent arbeitete er auch eine Zeit lang an der Universität Oldenburg.

Als sein wichtigstes Spätwerk gilt „Echolot“, eine Art riesige Collage aus Dokumenten, Briefen und Tagebucheinträgen über die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Kempowski hat mehr als ein Vierteljahrhundert daran gearbeitet.

Der erste Band erschien 1993, der letzte im Jahr 2005. Da war das Projekt auf bereits mehr als 9000 Seiten angewachsen. Diesmal waren Leser und Kritiker gleichermaßen beeindruckt. Kempowski bekam nun auch die Anerkennung, die er so lange vermisst hatte und zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz und den Thomas-Mann-Preis der Stadt Lübeck.

Ähnlich umfangreich wie „Echolot“ waren dann auch Kempowskis Tagebuchaufzeichnungen über sechs Jahrzehnte hinweg, die der emsige Autor zum Teil veröffentlichte: „Sirius“ (1990), „Hamit“ (2006) und schließlich „Somnia“ (2008) ergänzten das umfangreiche belletristische Werk.

Umfangreiche Alben

Der Literaturwissenschaftler Jörg Drews würdigte seine Literatur als „Jahrhundertdichtung“. Kempowski starb am 5. Oktober 2007 in Rotenburg an der Wümme an Darmkrebs. Sein Archiv hatte er schon zuvor der Berliner Akademie übergeben, inklusive seiner Sammlung an Tagebüchern, Briefen und 300  000 Fotos aus deutschen Familienalben – mehr als genug an Material für viele Nachwuchsliteraturwissenschaftler.

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