CLOPPENBURG - Von Cloppenburg hatte Michael Laube noch nie etwas gehört, bis der Berliner Künstler im vergangenen Jahr vom Kunstkreis der Kreisstadt kontaktiert wurde. Nach langen Jahren der Heimatlosigkeit hatte der Verein nun endlich wieder ein Domizil gefunden – für zwei Jahre war die ehemalige Maler-Werkstatt des Niels-Stensen-Hofes an der Löninger Straße von der St.-Andreas-Gemeinde angemietet worden. Und zur Premiere wollte der Kunstkreis gemeinsam mit seinen Kooperationspartnern – der Stadt und der Katholischen Akademie Stapelfeld (KAS) – eine hochwertige Ausstellung zeitgenössischer Gegenwartskunst präsentieren. Laube sagte auch deshalb gerne zu, weil er häufig vor dem Überangebot an Ausstellungen in der Hauptstadt flüchten muss.
„Kunsthalle neues Kind“
Ab kommenden Sonntag, 25. April, zeigt der 55-Jährige Installationen, Fotografien von Architekturfragmenten und Wandobjekte mit sich überlagernden Farbstreifen, die eine unbestimmte Tiefendimension erzeugen. Die Eröffnung beginnt um 16 Uhr bei Kaffee und Kilmerstuten: „Schließlich ist die Kunsthalle ja unser neues Kind“, klärt Kunstexperte und KAS-Dozent Dr. Martin Feltes auf.
Die einführenden Worte spricht der Kunsthistoriker Dr. Christoph Kivelitz von der Universität Bochum. Und der Mann wird den Besuchern eine Menge zu erklären haben: Denn „Space reloaded“ lautet der Titel der Exposition – und das war es dann auch schon. Die Exponate selbst tragen keinen Namen und wollen – so der Künstler – auch keine inhaltliche Botschaft übertragen.
Im Mittelpunkt steht eine gigantische Installation, die mit ihren 60 Leuchtstoffröhren und den zahllosen – ungeordnet wirkenden – Stahlrohren die klare architektonische Konstruktion der großen Werkstatthalle konterkarieren soll. Gleiches gilt für den Fußboden: Der kalte – grau gestrichene – Industriefußboden wird gleich quadratmeterweise von einem pinken Flokati-Teppich überdeckt, der jedem Partykeller im 70er-Stil zur Ehre gereichen würde.
Widersprüche herstellen
Auch in den Nebenräumen, in der die Büroräume des Malerbetriebs untergebracht sind, will der Künstler Widersprüche herstellen. Hier die streng geometrischen Glasbilder mit dreidimensionaler Acryl-Bemalung, dort die mitunter mit vielen Schnörkeln versehenen Proben des Malerbetriebs, die eigentlich im Zuge der Renovierung weichen sollten. Laube: „Bei meinem ersten Besuch in Cloppenburg im Januar sind die mir gleich aufgefallen.“ Also durften sie – vorerst – bleiben.
Space reloaded – zu deutsch in etwa „Raum neu geladen“: Der Ausstellungstitel gilt nicht nur für die neue Nutzung der alten Maler-Werkstatt, sondern auch für den Neustart beim Kunstkreis Cloppenburg. „In den kommenden zwei Jahren wollen wir unsere Kräfte bündeln und hier einiges zeigen“, sagen Christiane Hagemann (Stadt), Bettina Naber (Kunstkreis) und Feltes unisono.
Die Ausstellung ist sonntags und mittwochs jeweils von 15 bis 18 Uhr sowie donnerstags von 18 bis 21 Uhr geöffnet. Sonderöffnungen – besonders für Schulklassen – können unter Telefon 0 44 71/ 188-11 13 vereinbart werden.
