CLOPPENBURG - Für den Korbmacher Willi Hagemann ist es mit dem Aufkommen der Plastikwannen in den Fünfzigerjahren bergab gegangen. Er kam erst im Ruhestand – nach zahlreichen anderen Jobs – wieder zu seinem alten Handwerk zurück. 38 Fotos, die Geschichte über sein altes Handwerk und acht weitere sind derzeit in der Münchhausenscheune des Museumsdorfs zu sehen.

Die Fotografin Annette Fischer aus Schladen (Detmold) beantwortete am Donnerstag während der Eröffnung die Fragen der Gäste. Durch die Hausschlachterei auf dem heimischen Hof kam sie 1987 auf die Idee, August Scholand bei seiner blutigen Arbeit mit ihrer Nikon FE, bestückt mit Weitwinkel, zu fotografieren.

Dies tat sie ohne Blitzlicht. Um die Bildaussagen auf das Wesentliche zu reduzieren, arbeitete Fischer traditionell – schwarz-weiß. „Beim Thema Hausschlachtung ist es günstig, wenn man die Leute kennt, sonst kommt man nicht nah genug an sie heran“, erzählte die Fotografin. Es sei ohnehin teilweise schwierig gewesen, das Vertrauen der älteren Menschen zu gewinnen.

Gezeigt werden noch ein Zigarrenmacher, Hufschmied, Sattler, Lohndrescher und Sägewerker, ein Intarsienschneider, Drechsler und eine Bürstenmacherin. Die Biografien der Personen werden mit einem kurzen Text dargestellt. „Sie stehen für ein Stück ländlicher Geschichte“, sagte der Direktor des Niedersächsischen Freilichtmuseums, Professor Dr. Uwe Meiners. Zukünftige Generationen würden nur noch aus Büchern über diese ursprünglichen Handwerksberufe erfahren.

Für den stellvertretenden Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Oldenburg, Heiko Henke, geben die Bilder den Blick in eine andere Zeit frei. In der heutigen, schnelllebigen Zeit sei der Stressfaktor sehr hoch, davon könne man auf den Fotos nichts erkennen.

Dr. Jan Carstensen, Direktor des Westfälischen Freilichtmuseums Detmold, unterstrich in seiner Einführung die Notwendigkeit von Fotodokumentationen. „Ohne die vielfältige Fotografie würden unsere musealen Objekte sprachlos sein.“ Ohne die Bilddokumente seien sie für die Nachwelt nur schwer zu entschlüsseln, sagte Carstensen. Der Cloppenburger Fotograf Helmut Korth findet es gut und richtig, das alte Handwerk zu dokumentieren, um es so der Jugend näher zu bringen.

• Die Ausstellung „Handwerksbilder“ ist bis Sonntag, 29. Juli, in der Münchhausenscheune zu sehen.