CLOPPENBURG - Im Museumsdorf drehte sich alles um die tolle Knolle. Es gab Spaß und Informationen.

von sigrid lünnemann

CLOPPENBURG - Was für die Generation der Großeltern noch selbstverständlich war, ist heute schon längst vergessen: Damals bekamen die Kinder schulfrei, um bei der Kartoffelernte zu helfen. Auf Knien folgten sie dem Schleuderroder, der die Kartoffeln aus dem Acker pflügte und sammelten sie auf. Durch den so verdienten Lohn und durch die Auszahlung in Naturalien trugen die Kinder zum Lebensunterhalt der Familie bei. Um an diese Bedeutung der Herbstferien zu erinnern, lud das Museumsdorf Cloppenburg gestern zum „Kartoffeltag“ ein. Rund um die tolle Knolle waren Mitmach- und Informationsstände aufgebaut worden.

Dietrich Moorschlatt vom Kartoffelhof Moorschlatt in Ganderkesee, auf dem mehr als 200 Kartoffelsorten angebaut werden, brachte rund 100 mit und erwies sich als wahrer Kartoffelexperte, der zu jeder Sorte eine kleine Anekdote erzählen konnte. So informierte er die Besucher nicht nur über die Besonderheiten und die Geschichte von so exotischen Sorten wie „Blaue Odenwälder“ aus dem Jahr 1908 oder die „Reichskanzler-Kartoffel“ aus dem Jahr 1930, sondern er lieferte auch die Rezeptideen dazu. Überrascht zeigten sich die Zuhörer, dass es zum Beispiel Züchtungen ausschließlich für die Chips- beziehungsweise Pommesproduktion gibt.

„Diese Kartoffeln zu schälen, ist aber eine Strafe“, bemerkte eine Besucherin und zeigte auf eine Schale mit dünnen, stark gebogenen Knollen. Moorschlatt erklärte, dass es sich dabei um die Delikatesse „Bamberger Hörnle“ handelt, die als Pellkartoffel zubereitet wird und nicht mit der „Heideniere“ aus dem Jahr 1953 verwechselt werden sollte. Aber auch Kartoffelsorten, die wahrscheinlich erst in den nächsten Jahren vom Bundessortenamt zugelassen werden, stellte er vor und betonte die enormen Kosten, die bei der Entwicklung und Züchtung entstehen.

Die Kinder merkten beim „Kartoffelwettsuchen“, wie schwierig und anstrengend es ist, die Kartoffeln mit bloßen Händen aus der Erde zu graben. Muskelkraft war auch an der Kartoffelsortiermaschine gefragt, wo die kleinen Besucher durch das Drehen einer Kurbel die Maschine in Gang setzen konnten. Am Lagerfeuer konnte sich anschließend die gesamte Familie aufwärmen und Kartoffeln in der Glut erhitzen. Und auch die am Herdfeuer zubereiteten Bratkartoffeln und die Kartoffelsuppe schmeckten.