CLOPPENBURG - CLOPPENBURG - Die Aufführung des „Stabat Mater“ op. 58 von Antonin Dvorák gilt nach wie vor als musikalische Herausforderung, der sich der Dirigent Jürgen Löbbecke und alle mitwirkenden Instrumentalisten, Solo- und Chorsänger des Konzerts in der Basilika in Bethen am Sonntagabend stellten. Im fast voll besetzten Kirchenraum erklang die geistliche Kantate für Solostimmen, Chor und Orchester in monumentalen Ausmaßen.

Dvoráks Vertonung der Sequenz drückt die Verbundenheit und das Mitgefühl mit den Schmerzen Mariens in musikstilistisch sehr intensiver Weise als bewegendes und passendes Bild mit tiefer relgiöser Anschauung aus. Persönliche Schicksalsschläge bewegten Dvorák schließlich, 1877 sein „Stabat Mater“ zu vollenden. Nun war eine seiner frömmsten Kompositionen geschaffen, die für alle Zeiten Dvoráks tiefsinnige Verbundenheit zur Marienverehrung dokumentieren sollte.

So bezeugte bereits zu Beginn des Konzertes der im Pianissimo lang anhaltende Ton Fis des strahlenden D-Dur-Klanges Marias regungsloses Verharren unter dem Kreuz. Löbbeckes präzises Dirigat verlieh der musikalisch dargestellten Szene den respektvollen Ausdruck. Die sich anschließende, in verminderten Intervallen absinkende Motivik verwies auf die zugleich demütige Haltung der Gottesmutter Maria. Mit der gelungenen orchestralen Intonation war der exakte Einsatz des vierstimmigen Chores vorgezeichnet. Zunächst verhalten, aber dann zunehmend akzentuierend, verwiesen dynamische Feinheiten auf das zutreffend mitleidende Stimmungsbild der Szene. Besonders die Solostimmen setzten ihren musikalischen Anspruch gegenüber dem klanggewaltigen Orchester durch. So entwickelte sich der Part Nr. 4 „Fac, ut ardeat cor meum“ vom Bass Rolf Scheider zu einer ausgewogenen Korrespondenz zwischen Orchester, Chor und Vokalstimme. Mit dem Part Nr. 6 „Fac me vere tecum flere“ zeigte auch der Tenor Martin Wille

seine professionelle musikalische Natur, die sich im später folgenden Part Nr. 8 „Fac, ut portem Christi mortem“ zusammen mit der Sopranistin Birgit Wegemann zu einer gesteigerten Ausdruckskraft entwickeln sollte. Barbara Ochs gestaltete durch ihre klare Altstimme den vorletzten Part „Inflammatus et accensus“ gesanglich“ mitreißend und impulsiv.

Nicht zuletzt die Brillanz und die damit einhergehenden homophonen und polyphonen Strukturen der respondierenden Chor- und Orchesterstimmen verliehen dem szenischen Himmelsgewölbe die scheinbar konkrete Existenz im Konzertraum der Basilika. Die Steigerung erfuhr ihren Höhepunkt in der endlichen und beeindruckenden Klangmasse der überwältigenden Musik. Überzeugender konnte Dvoráks Glaubensstärke nicht geboten werden.

Das monumentale „Stabat Mater“ fand am Ende in ruhiger werdenden und hoffnungsvollen Dur-Akkorden einen angemessenen Ausklang. Die darauf folgende meditative Stille hielt die inzwischen verklungene Musik für eine Zeit im Kirchenraum gefangen. Dennoch war der lang anhaltende Applaus der ehrliche Ausdruck eines mitfühlenden und begeisterten Publikums für die unvergessliche Darbietung in der Basilika.