CLOPPENBURG - „Als Beethoven die Moderne erfand!“, so hieß das Motto des fünften Konzertes der Reihe „Weltklassik am Klavier“ in der Katholischen Akademie Stapelfeld, das leider nicht sehr gut besucht war. Dabei konnte man ein ganz herausragendes (Klavier-) Spiel eines jungen Italieners namens Gabriele Leporatti erleben. Seine Hände scheinen für sein Instrument geschaffen wie die Füße seiner Landsleute aus der Nationalelf für das runde Leder. . .

Auch das Programm dieses von Kritikern „Meister der romantischen Musik“ genannten Pianisten war in jeder Beziehung außergewöhnlich. Es begann mit Ludwig van Beethovens letzter Klaviersonate op.111 in c-moll, die statt drei nur zwei Sätze aufweist und zum Schwierigsten zählt, was je für das Klavier komponiert wurde. Leporatti, geboren 1978, genoss eine exzellente Ausbildung und begeisterte die Zuhörer in Stapelfeld gleichermaßen mit technischer Brillanz, einer faszinierenden Klangmagie und einem wunderbaren Pianissimo-Spiel, wie er es bereits in den wichtigsten Konzertsälen Europas, der USA und Chinas zeigte. Bei diesem über dreißig Minuten dauernden Werk „sah“ man den alternden, fast tauben Komponisten, wie er stundenlang am Flügel sitzend auf seine innere Musik hört, mit neuen Klängen und Techniken experimentiert. Der Pianist bewies große musikalische und menschliche Reife, unter seinen mit dem Instrument unglaublich vertrauten Händen erstand ein zeitweise sphärischer Zusammenklang aller großen Epochen der Musik von J.S.Bach über die Wiener Klassik bis zur Romantik und Moderne!

Nach der Pause teilte der Leiter des Fachbereichs Musik, Heiko Fabig, mit, dass dies aus organisatorischen Gründen das letzte Konzert der Reihe „Weltklassik am Klavier“ sei, dass aber weiterhin Klavierkonzerte zu hören seien.

Dann erklangen „Sechs Préludes“ von Claude Debussy, in denen Leporatti den Zuhörern wunderbare Bilder vor Augen erscheinen ließ: den Wind, der mit Blättern spielt, ein Mädchen mit flachsblonden Haaren, eine erleuchtete Kathedrale, deren Glocken läuten. . . In der Tondichtung in drei Sätzen von Maurice Ravel, „Gaspard de la nuit“, hatte man durch die ganz mühelos erscheinende Virtuosität des Pianisten ein aufgewühltes Meer oder einen wild tanzenden Kobold vor Augen, bevor er mit einer erfrischend gespielten Sonate von Domenico Scarlatti endete

Das Publikum in Stapelfeld hatte die große Ehre, in Leporatti einen Meister seines Instrumentes zu erleben, der dazu angenehm schlicht und ohne jedes Pathos auftrat und bisher ungehörte Klänge aus einem für ihn eigentlich unzulänglichem Instrument zauberte.