CLOPPENBURG - Nicht immer geht es im Leben rosig zu – auch nicht bei Hartmut Engler, dem Sänger der Band Pur, die am Sonnabend auf dem Marktplatz vor beinahe 7000 Fans spielte. Aus solchen Abenden wie in Cloppenburg könne er neue Energie ziehen, sagte Engler.

„Irgendwo in dieser Welt liegt ein bisschen Glück versteckt/Und ich wünsch mir so, ich hätt’s für mich entdeckt“ (Irgendwo), schlägt Engler gleich im ersten Lied die traurigen Töne an. Die Hoffnung auf das Happy End ist es, das ihn in „Wiedersehen“ antreibt: „Und ich werd Dein Herz erweichen/Bis es Not-kapituliert“, bevor resigniert und aufersteht: „Ja ich spür, Du kriegst mich nicht mehr unter/Du bist nichts mehr was mich unterkriegt“ (Gesund). Der Kampf der Geschlechter ist es, der ihn interessiert und den er in Cloppenburg auch präsentiert mit den Liedern des Albums „Wünsche“.

Echte Pur-Fans wollen mehr. Und sie werden nicht enttäuscht. Einen „Querschnitt der musikalischen Pur-Geschichte“ haben die Musiker mitgebracht. Viel ist da zusammengekommen. Den ersten Gassenhauer bringt Engler mit „Prinzessin“ – und wenig später klingt aus fast 7000 Kehlen: „Du blitzt mich an mit deinen Funkelperlenaugen/das tut so gut, da ist so viel für mich drin“. Und Engler grinst ins Publikum. Geht doch noch. Auch nach so vielen Jahren: Im nächsten Jahr wird 30-jähriges Bandbestehen gefeiert.

Beim ersten Auftritt von Pur in Cloppenburg – 1993 war das – hat Engler bestimmt „Lena“ gesungen. In der 2010-Version schweift der „Schmusesänger“ kurz auf Lena Meyer-Landruts „Satellite“ über. „Die Beste“ macht Engler zum Duett mit der Sängerin der Vorband „Luxuslärm“, Janine Meyer.

Fast sind zwei Stunden um, Engler hat „Abenteuerland“ geschmettert, „Wenn sie diesen Tango hört“, „Ich lieb Dich“ – und hat die Menge im Griff. Die Laola-Welle macht sie enthusiastisch mit, klatscht Engler ab, als er an der ersten Reihe entlangläuft, und fordert, da Engler sich das erste Mal anschickt, das Konzert zu beenden, Zugaben. Davon wird es einige geben: von „Wo sind all die Indianer hin“, über „Hab mich wieder mal an dir betrunken“ bis zum „knallharten Protestsong gegen die Jugendbewegung“: „Ein graues Haar/wieder geht ein Jahr“. 17 davon werden nicht vergehen, bis Pur wieder nach Cloppenburg kommt, soviel verspricht er zum Ende.

Das heiße Konzertwochenende hatte Ina Müller am Freitagabend an gleicher Stelle eröffnet. Ebenfalls vor rund 7000 Fans schnackte und sang sie „op platt“. Nach anfänglichen Tonproblemen – in den hinteren Reihen waren vor allem die Redebeiträge zunächst schlecht zu hören – sorgte Ina Müller bei sommerlichen Temperaturen mit derbem Humor und von Wortwitz sprühenden Liedern für Unterhaltung, sang von Orangenhaut und Arschgeweih und erinnerte sich an ihre Kindheit auf dem Lande.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)