CLOPPENBURG - Mit stehenden Ovationen haben die rund 130 Besucher des Theaterstücks „Du bist meine Mutter“ im Kreishaus dem Schauspieler Martin Leßmann und dem Cellisten Gero John Respekt für eine großartige schauspielerische und musikalische Leistung erbracht. Ein schlichtes Bett und die Projektion eines verblassenden Frauenporträts bilden bei dem Stück von Joop Admiral das gesamte Bühnenbild.
Leßmann betritt als Sohn Paul die Bühne, der seine 80-jährige demenzkranke Mutter in einen Pflegeheim besucht. Langsam verwandelt er sich äußerlich und auch innerlich in seine Mutter und übernimmt in dem Stück beide Rollen.
Jeden Sonntag besucht Paul seine Mutter und muss miterleben, wie aus der einst vitalen und auch herrischen Frau ein vergesslicher, hilfsbedürftiger Pflegefall wird. Manchmal erinnert sie sich nicht einmal an ihren eigenen Sohn, der geduldig und mit einem wehmütigen Lächeln ihre steten Wiederholungen und plötzlichen Wutausbrüche erträgt.
Der sonntägliche Spaziergang an der Seite ihres Sohnes im Park stellt nun den einzigen Höhepunkt ihres eintönigen Lebens dar. Paul hilft seiner Mutter beim Anziehen und führt sie spazieren, obwohl er weiß, dass sie alles wieder vergessen wird. So wie sie ihn als kleines Kind behütet hat, so kümmert er sich nun um seine Mutter. Die Rollen sind vertauscht, was für beide ein schmerzlicher Prozess ist.
Fast unmerklich schlüpft Leßmann in die verschiedenen Rollen. Mal spricht er mit dem ruhigen Tenor eines fast 50-jährigen Mannes, mal singt er mit einer brüchigen Alt-Frauen-Stimme Hits aus der Jugendzeit seiner Mutter. Die Stimmung des Stücks schwankt zwischen subtiler Komik und tiefer Betroffenheit, wenn die Mutter in ihren wenigen klaren Momenten auf die unschönen Zeiten ihrer Ehe und den Tod des Vaters zurückblickt.
Unaufdringlich verstärkt der Cellist John mit seiner musikalischen Begleitung das Gefühlschaos der Protagonisten. In fragmentarischen Rückblicken übernimmt Leßmann auch die Rolle des jungen Paul, der in seinem Kinderzimmer spielt, unter dem ewigen Streit der Eltern leidet und seiner Mutter eine Mitschuld am Tod des Vaters gibt.
Aber trotz aller gegenseitigen Verletzungen und unausgesprochenen Vorwürfe überwiegt die gegenseitige Liebe. Und Paul wird auch am nächsten Sonntag wiederkommen und seine Mutter in den Park führen.
