CLOPPENBURG - Das größte Kapital der Anna-Maria Scholz ist ihre Stimme. Mühelos tauscht sie Stimmregister und Genres. Sie wechselt zwischen rauchigem Blues, röhrender Heiserkeit und divenhaftem Operngesang – sie haucht einmal kurz dem Publikum einige Worte so erotisch entgegen wie einst Jane Birkin ihr „Je t’aime“. Die Momente, in denen sie wieder einen ganz anderen Stil anstimmt, erhalten zwar keinen Szenenapplaus, erstaunen aber doch am meisten.

Überhaupt präsentierte Scholz alias „Annamateur“ am Freitag in der Aula des Cloppenburger Clemens-August-Gymnasiums ein Programm, welches nicht um Szenenapplaus buhlte. Das kabarettistisch-minimalistische Bühnenbild bestand aus Scholz hinter ihrem Mikroständer und ihren Akustik-Gitarristen Reentko Dirks und Daniel Wirtz, die sie sitzend flankierten.

Der große Abstand, den sie dabei hielten, war wohl nötig, um das Mobbing aus der Mitte zu ertragen, ohne eine Miene zu verziehen. Im Kabarett gilt schließlich: Gelacht wird über die Anwesenden. So durfte vor allem Dirks die subtilen Provokationen über sich ergeben lassen.

Scholz’ Programm bestand vor allem aus ihren Liedern. Entweder coverte sie Interpreten wie Tom Waits oder Duke Ellington, oder sie lästerte in eigenen Chansons zum Beispiel über das Heile-Welt-Getue eines Andre Rieu oder verteidigte im monologen Zwiegespräch mit ihrer Mutter ihre Leidenschaft für Nutella. Die sei vielleicht nicht gut für ihren Körper, aber gut für ihren Soul. Auch davon hatte sie reichlich im Stimmarsenal.

Einmal gab es doch Szeneapplaus, und zwar großen. Das stand Scholz einmal nicht auf der Bühne, sondern gönnte ihren Gitarristen fünf Minuten Ruhm. Die beiden präsentierten mit ihren Akustikgitarren ein Duett, welches mit Spielwitz, Klangvielfalt und virtuosen Tempowechseln die Atmosphäre elektrisierte. Als Duo „Dirks und Wirtz“ haben die beiden bereits eine CD herausgebracht und werden ähnlich hoch gelobt, wie Scholz, deren Weißclowne sie heute gaben.

Bei allem, was diese zwischen den Titel sagte, wusste man nur, dass man nicht wusste, was als nächstes kommt. Von außen mochte das wirken wie eine Aneinanderreihung von Absurditäten, wenn sie den Klang einer Kaffeemaschine daher röchelte oder scheinbar spontan anfing zu weinen. Scholz setzte das alles und viel mehr auf ihre eigene Art zusammen, auf die man sich als Besucher einlassen muss, um sie zu erkennen.