CLOPPENBURG - Kunst oder Kuchen? Bei der Eröffnung der Ausstellung „Himmel und Erde“ am Sonntag im Cloppenburger Rathaus strömte der Großteil der Gäste zum Büfett. Lediglich ein kleiner Teil betrachtete die 57 Werke der beiden Künstler Rainer Sieverding und Willi Rolfes, die in den Fluren bis zum 31. Dezember zu sehen sind.

Die Motive der Bilder haben nicht die Künstler zu verantworten, sondern die Natur hat sie arrangiert. Dr. Martin Feltes, Kunstexperte der Katholischen Akademie Stapelfeld, sprach zur Einführung in die Ausstellung trotzdem von einer besonderen Leistung der Akteure. Denn sowohl der „Erdartist“ Sieverding als auch der „Naturfotograf“ Rolfes müssten zur rechten Zeit am richtigen Ort sein und das Motiv erkennen. „Das kreative Sehen ist der Ausgangspunkt der künstlerischen Dimension der Erdprofile und Himmelsbilder“, so Feltes.

Sieverding, der krankheitsbedingt nicht an der Eröffnung teilnehmen konnte, zeigt mit seinen Sandbildern Ergebnisse jahrtausendealter Ablagerungen der Erde. Die vielschichtigen Strukturen mit zarter Linienführung vom irdenen Rot bis hin zum Schwarz lassen dem Betrachter genügend Raum für eigene Interpretationen.

Gleiches bescheinigte Feltes den Wolkenformationen von Rolfes. Abendstimmungen oder Spiegelungen eines Wolkenteppichs, die einen Effekt der Verfremdung eines norwegischen Fjordes mit einem Gebirge hervorrufen, ließen den Eindruck des Geheimnisvollen entstehen. „So werden aus Sehbildern Sinnbilder“, glaubt Feltes.

Die wissenschaftliche Betrachtung der Wolken riss Meteorologe Thomas Wichmann an. Als Geologe führte Bertold Rubach zu den Sandbildern seine Sichtweise aus.

Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese (CDU) spielte auf das gleichnamige Gericht „Himmel und Erde“ an. Allerdings handele es sich bei der Ausstellung um zwei Gerichte der Haute Cuisine, die jeden kulturellen Feinschmecker begeistern würden.