CLOPPENBURG - Zum ersten Mal erhält der Cloppenburger Künstler Wilfried Körtzinger die Gelegenheit, vier Jahrzehnte und Perioden seines Schaffens in einer großen Ausstellung zu präsentieren. Rund 150 Malereien, Zeichnungen, Druckgrafiken und Fotografien sind in den vergangenen Tagen ins Cloppenburger Rathaus gewandert, wo am kommenden Sonntag, 15. November, 15.30 Uhr, die Werkschau des gebürtigen Wesermärschlers eröffnet wird.

Dass Stadt und Kulturforum mit der umfangreichen Exposition sein Lebenswerk ehren wollen – diese Sichtweise lässt der 76-Jährige nicht gelten. Dafür fühle er sich einfach noch zu jung.

Stichwort jung: Vor mehr als zehn Jahren hat Körtzinger damit begonnen, junge – unbekleidete – Frauenkörper zu bemalen. Dazu kommt ein gleich strukturierter – meist mehrere Quadratmeter großer – Hintergrund: Körper und Hintergrund treten dann auf einem Foto gebannt in eine Verbindung, die jeden Vorwurf von billigem Voyeurismus im Keim erstickt.

Überhaupt ist sich Körtzinger der besonderen Verantwortung bei dieser Art von Kunst bewusst. Es werde mit jedem Modell ein justiziabler Vertrag gemacht, der die Frau vor einer ungewollten Veröffentlichung der Bilder – zum Beispiel via Internet – schütze. „Im Netz wird damit wirklich Schindluder getrieben“, erklärt der Künstler.

Aufregen kann sich Körtzinger auch, wenn es um die Verschmutzung der Umwelt geht. Beispielsweise werde der Lebensraum durch eine kalte, menschenfeindliche Architektur zerstört – dies führte dazu, dass Körtzinger – nachdem er 1955 ein Architekturstudium begonnen hatte – bereits 1967 seinen Job als Hochbauarchitekt in Bremen wieder an den Nagel hängte. „Meine Vorstellungen von einer humanen und nachhaltigen Architektur ließen sich nicht realisieren.“ Mit den Bausünden der Vergangenheit setzt sich Körtzinger u.a. in seiner 1986 angefertigten Seriegrafie „Soziale Wohnlandschaft“ auseinander, die die Betonburgen im Bremer Stadtteil Osterholz zeigt.

Ebenfalls 1967 der Umzug nach Cloppenburg: Bis 1996 arbeitet Körtzinger als Kunsterzieher am Clemens-August-Gymnasium. In ein bis dahin von Brüchen und Unruhe gekennzeichnetes Leben hält eine gewisse Kontinuität Einzug. „Ich habe es am CAG immer gut gehabt“, lobt Körtzinger seine alte Schule.

Und umgekehrt bekommt seine Wahlheimat Cloppenburg auch Gutes von ihm. Jahrelang engagiert sich Körtzinger in der Volkshochschule: Er gibt Kurse und begleitet Fahrten zu Kunstausstellungen. Der Künstler entwirft zahlreiche Plakate und Logos für hiesige Vereine und Organisationen – so unter anderem für den Cloppenburger Kinderchor. Dr. Klaus Weber, Kulturforums-Vorsitzender, zieht aus diesem Engagement einen kurzen, aber treffenden Schluss. „Körtzinger hat sich diese Ausstellung verdient.“