CLOPPENBURG - Während die Fußballer des BV Cloppenburg am Mittwochabend im Stadion gegen Bayer Leverkusen eine knappe 1:2-Niederlagen einstecken mussten, wurde mit Spannung auch ein Ergebnis aus dem Rathaus erwartet. Im Streit um die Errichtung einer Leichtathletikanlage im Stadion näherten sich im dort tagenden Fachausschuss für Familie, Soziales, Jugend, Sport, Kultur und Markt die Fraktionen an: Bei Gegenstimmen von Martina Reichel-Hoffmann (Bündnis 90/Die Grünen) und Franz-Josef Wilken (SPD) sowie Enthaltungen von Rolf Bornemann und Peter Hackmann (beide SPD) beschloss der Ausschuss, dem TV Cloppenburg die Möglichkeit zu geben, die Anlage um den Hauptplatz herum zu errichten. Ausdrücklich offen ließen die Politiker indes, welche Variante – Typ C mit sechs 100- und vier 400-Meter-Bahnen oder Typ B mit jeweils sechs – realisiert werden soll. Wie berichtet, besteht der TVC auf einer kompakten Kampfbahn vom Typ B.
Wirtschaftsweg sinnvoll
Die Errichtung dieser Anlage würde nach Angaben des Fachplaners Hans-Jürgen Flemming (Oldenburg) mit rund 900 000 Euro zu Buche schlagen. Neben den Laufbahnen, die von einem kleinen Wirtschaftsweg umsäumt werden sollten, müssten im Norden und Süden Sektoren für die Sprung- und Wurfdisziplinen mit Kunststoff befestigt werden. Die sechs Sprintbahnen sollten im Osten gegenüber der Haupttribüne entstehen, weil dort Platz vorhanden sei, so Flemming. Der BV Cloppenburg müsste allerdings wenigstens ein halbes Jahr, eher ein dreiviertel, auf seinen Hauptplatz verzichten, denn das Feld müsste versetzt und komplett neu profiliert werden.
So gut wie unangetastet bleiben könnte hingegen der Hauptplatz bei einer Typ-C-Anlage. Die Kosten bezifferte Flemming inklusive eines umlaufenden Wirtschaftsweges auf netto rund 680 000 Euro. Der Nachteil: Die Anlage wäre nicht tauglich für Wettkämpfe ab der Bezirksebene. Entsprechend hatte der Plan auch keine Unterstützung bei der Präsidentin des Niedersächsischen Leitathletikverbandes, Rita Girschikofsky, gefunden.
In beiden Varianten müsste die derzeitige Stehtribüne im Norden weichen. Die Gästefans sollen nach den Vorstellungen des Planers in die Osttribüne integriert werden, die erweitert werden müsste. Zaunanlagen sind notwendig, um Gäste und Heimfans voneinander zu trennen.
„Politik am Zuge“
Ihre Anforderungen und Präferenzen, so die Vorstellungen von Fachplaner Flemming, sollten TVC und BVC nun schriftlich niederlegen und Verwaltung sowie Politik vorlegen. Seiner Ansicht nach wäre die Anlage um den Hauptplatz die günstigste Variante, weil so keine funktionalen Wege beeinträchtigt würden. Auch müssten keine Plätze des BVC wegfallen. Eine vom Hauptplatz abgekoppelte Lösung im Süden hält Flemming für „nicht empfehlenswert“. Die Kosten schätzte er auf rund 1,1 Millionen Euro.
„Die Politik muss jetzt auch mal entscheiden“, hatte Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese gemahnt. Er sprach sich dafür aus, dem TVC für die Sanitär- und Umkleideanlagen die alte Tribüne des MSC zu übereignen.
Die Fraktionsvorsitzende der UWG, Jutta Klaus, möchte dem BVC die Typ-B-Lösung schmackhaft machen, indem auch die von den Fußballern genutzten Trainingsplätze in den Pachtvertrag aufgenommen werden.
Unklar ist die Frage der Finanzierung. Der BVC hatte bereits signalisiert, keine Umbaukosten tragen zu wollen. Die Höhe möglicher Zuschüsse soll nun errechnet werden.
