CLOPPENBURG - CLOPPENBURG - Einen Schritt in eine neue Richtung hat die Stadthalle Cloppenburg am Dienstagabend mit der Aufführung des Klassikers von Johann Wolfgang von Goethe „Faust – der Tragödie erster Teil“ gemacht. Durch erstmalige Zusammenarbeit mit dem Osnabrücker Theater ermöglichte die Stadthalle eine brillante Inszenierung durch den neuen Osnabrücker Intendanten Holger Schultze. Er führt in diesem Stück auch Regie und zeigt in einem gekonnten Zusammenspiel von Licht- und Schattenwirkungen auf der Bühne die Sinnhaftigkeit des Lebens.
In seiner Studierstube grübelt Faust (Thomas Schneider) über den wahren Sinn des Lebens nach. Philosophie, Medizin, Juristerei, aber auch die Theologie geben ihm keine zufrieden stellenden Antworten mehr auf seine Fragen. Die letzte Hoffnung sieht er in der Magie. Faust beschwört den Erdgeist, doch der erscheint nur, um ihm seine Zwergenhaftigkeit im großen Universum aufzuzeigen. Im ersten Teil des Werkes, das ihn nahezu sein ganzes Leben begleitet hat, zeigt Goethe die kleine Welt der Menschen: Liebe, Verführung, Egoismus und Ausschweifung. Der Unschuld Gretchens (Katharina Quast) verfällt Faust ebenso wie dem Laster der Walpurgisnacht.
Doch der Wissenschaftler, Dichter, Theaterdirektor, Politiker und Philosoph Goethe wäre nicht zu dem deutschen Klassiker geworden, wenn er nicht mehr mit seinem Lebenswerk gewollt hätte. Auch der Dichter wollte wissen, „was die Welt im Innersten zusammen hält“.
Die moderne Inszenierung macht durch das Spiel mit Licht und Schatten die Situation deutlich: so Mephisto sitzend im Schatten des stehenden Faust. Durch die beeindruckenden Leistungen der Hauptdarsteller Thomas Schneider (Faust), Steffen Gangloff (Mephistopheles), Katharina Quast (Margarete (Gretchen) sowie dem Ensemble und der Technik wurde Cloppenburg ein kultureller Höhepunkt geboten.
Dies bestätigten auch zahlreiche Gäste. Die Aufführung hätte mehr als die gut 200 Zuschauern verdient gehabt. Gestern ließen sich 500 Schüler der BBS Technik, des CAG und ULF von der Stimmung verzaubern. Auf die Frage nach einer Fortsetzung meinte Andreas Lücking (Stadthalle): „Wir sind an einer weiteren Zusammenarbeit mit dem Theater Osnabrück interessiert.“
