CLOPPENBURG - An einem ungewöhnlichen Ort haben zahlreiche Gäste ein noch ungewöhnlicheres Konzert verfolgt. In der „Konzerthalle an der Bäke“ – der Halle des Steinmetzbetriebes Dierkes in der Eisenbahnstraße – begrüßte Kajo Dierkes am Mittwochabend die Besucher inmitten von zahlreichen „Unmaßplatten besten Marmors“. So nenne man die voluminösen Scheiben aus Natursteinblöcken, erläuterte der Bildhauer aus Lohne und entfernte Neffe des Cloppenburger Künstlers Paul Dierkes den gut 150 Anwesenden eines der Instrumente, das eigens an einem Kran hing. Den wesentlichen Teil der „Instrumente“, auf denen der Kasseler Schlagzeuger Olaf Pyras spielte, machten die vier „Lippoldsberger Klangsteine“ – vier Stelen aus sehr altem Schlesischen Marmor – aus.
Die gleich großen Stelen waren unterschiedlich tief eingeschnitten, hatten Felder mit feinen Riffeln oder breiteren Nuten und Bohrungen an unterschiedlichsten Stellen. Und sie klangen, gaben Töne von sich, die keiner der Anwesenden vermutet hätte. Dabei bediente sich Pyras verschiedener Gegenstände, mit denen er den Klangsteinen – mal gefühlvoll streichelnd, mal leicht oder hart schlagend – eindruckvollen Gesang entlockte: Holz-, Kunststoff oder Gummihammer und kleine Steine brauchte er dazu. Oder ein Stück Marmor, das er ganz leicht über den Spalt der Stele bewegte. Der „Schlesische Stein“ stimmte sogleich aus seinem tiefsten Inneren einen unglaublichen Klang an, der einer Orgel gleichkam. An unterschiedlichen Punkten angeschlagen, erklangen Glockentöne oder Basstöne. Als Pyras die Stele mit einem Metall rieb, schien sie zu singen.
Zusammen mit seiner Assistentin Anje Patzelt kommunizierte der Schlagzeuger auf einem Xylophon aus Schieferplatten, während Erkan Parlak den tonnenschweren Bass im Kran bediente.
Ein gelungenes Konzert, das – unbeabsichtigt – von unzähligen Wasserfällen vom Hallendach begleitet wurde. Dieser wurden gespeist vom Dauerregen. Zum Abschluss lud Familie Dierkes zum Umtrunk anlässlich des 110-jährigen Firmenjubiläums und des 100. Geburtstags von Paul Dierkes ein.
