CLOPPENBURG - „Das Rechnen mit Münze, Maß und Gewicht seit Adam Ries“ heißt eine Quellenedition, die der Bremer Mathematikprofessor Dr. Gerhard Becker und der Leiter der Abteilung „Museumspädagogik“ im Museumsdorf Cloppenburg, Wolfgang Hase, jetzt zum Thema „Schuleinschreibebücher“ zusammengetragen haben. „Der Band aus der Reihe Materialien und Studien zur Alltagsgeschichte und Volkskultur Niedersachsens soll beweisen, dass der Bauer bereits im 17. und 18. Jahrhundert sehr wohl rechnen und schreiben konnte. Außerdem soll er die Menschen sensibilisieren, die alten Rechenbücher nicht achtlos wegzuwerfen“, sagte Museumsdirektor Uwe Meiners am Dienstag bei der Vorstellung des Buches.
Bereits im Jahre 1994 hatte Hase gemeinsam mit Gerd Dethlefs unter dem Titel „Damit mussten sie rechnen . . . auch auf dem Lande“ einen Ausstellungskatalog zum Thema „Historisches Rechnen mit Münzen, Maßen und Gewichten“ verfasst und Becker zeitgleich eine Studie über die so genannten „Schuleinschreibebücher“ geschrieben. Diese beiden Werke werden durch den nun veröffentlichten Material- und Dokumentationsband ergänzt.
Hier nimmt die „Bremer Müntze“, ein Rechenanleitungsbuch von 1664, das sich fast 200 Jahre lang gehalten hat, einen zentralen Platz ein. Das Buch war auch in den Händen hiesiger Schreib- und Rechenmeister sowie vieler bildungshungriger Bürger und Bauern beheimatet.
Wie brachten sich die Menschen auf dem Lande das Rechnen bei, bevor dieses in den Schulen gelehrt worden ist? Wie haben die Bauern schon früh die Rentabilität ihrer Höfe berechnet? – dies sind nur zwei von zahlreichen Fragen zum Thema. Becker, Professor für Didaktik der Mathematik an der Universität Bremen, hat die überlieferte Quellenlage in mehrjähriger Forschungsarbeit sondiert und die einzelnen Rechenbücher kommentiert.
