CLOPPENBURG - Das Stück erlaubt einen Blick in die Abgründe der Seele. Was ist der Sinn des Lebens?
von sigrid lünnemann
Ein schlichtes Gerüst, farbige Stellwände, ein Mülleimer und einige auf dem Boden liegende Bierdosen sind die einzigen Requisiten für das Theaterstück „Haltestelle Geister“ von Helmut Krausser. Vor zahlreichen Besuchern hat die Theater-AG des Clemens-August-Gymnasiums (CAG) in Cloppenburg am Freitagabend die Premiere ihrer diesjährigen Theaterinszenierung aufgeführt. Mit viel Engagement hatten sich die Schülerinnen und Schüler in den vergangenen Monaten mit dem Stück auseinander gesetzt. Vulgäre Sprache, eindeutig sexuelle Gesten und angedeutete Handlungen verlangten den Protagonisten einiges ab. Aber sie meisterten die Herausforderung professionell.
Hubert Gelhaus, der mit Christiane Johannes die Regie führt, lobte die jungen Schauspieler für ihren Mut, sich auf dieses Stück einzulassen. Es sei ihnen zudem gelungen, den schmalen Grat zwischen Humor und Klamauk nicht zu überschreiten. Mit besonderem Applaus wurde nicht nur der Einsatz von Gelhaus für die Theater-AG gewürdigt, sondern auch sein erster Auftritt als Sänger.
An diesem Abend treffen sich die unterschiedlichsten Gestalten an einer Bushaltestelle, an der nie ein Bus hält, und auf den auch niemand zu warten scheint. Stattdessen ist er Tummelplatz der am Leben Gescheiterten. Helmut Krausser erlaubt den Theaterbesuchern einen Blick in die Abgründe der menschlichen Seele und würzt ihn mit einer gehörigen Portion skurrilen Humors. Drogendealer (Daniel Tiemerding) und Großstadtgören (Jana Richter, Jennifer Ovelgönne und Aljona Walter), die nur noch im Drogenrausch ihr verpfuschtes Leben ertragen können, treffen auf eine intergalaktische Prinzessin (Dina Dvorchina), die davon träumt, in ein anderes Leben entfliehen zu können. Ein gut situiertes Ehepaar offenbart seine intimsten Geheimnisse. Nur noch ihre perversen Gelüste, Gewalt und gegenseitige Abhängigkeit halten ihre Ehe zusammen, bis der Mann (Hendrik Martens) aufgrund einer Banalität seine Frau (Alexandra Morkel) tötet und kaltblütig zerhackt. Auch der scheinbar so nette alte Mann (Anja
Belke) offenbart seine Brutalität, als er auf seiner Todesfahrt absichtlich ein junges Mädchen überfährt.
Sie alle treffen sich an der Haltestelle, sind Geister, die zwischen Leben und Tod festhängen und vergeblich versuchen, mit Hilfe eines Penners (Constanze Arnold) mit den Menschen zu kommunizieren. Was bleibt, ist die Frage nach dem Sinn des Lebens und nach Gott, der scheinbar vor dem sinnlosen Treiben der Menschen resigniert hat.
Nach gut zweieinhalb Stunden erntete das gesamte Ensemble tosenden Applaus und feierte anschließend gemeinsam mit den Besuchern die gelungene Premiere.
