CLOPPENBURG - CLOPPENBURG - „Gefühle am Morgen, das verträgt kein Mann, dann lieber Geschirr waschen“, lautet Walter Fabers Meinung. Der Protagonist von Max Frischs Roman „Homo Faber“, der am vergangenen Donnerstag in der Aula des Clemens-August-Gymnasiums als Theaterstück aufgeführt wurde, ist strenger Rationalist, der jegliche Zufälle ablehnt.
Doch der Auftakt des diesjährigen Cloppenburger Theaterforums litt kurzzeitig unter einem solchen Zufall. Aber auch der Ausfall des Bühnenlichtes hatte den professionellen Schauspielern der Burghofbühne Dinslaken nichts anhaben können, bis es in einer Szene dann doch gebraucht wurde. Nach zehn Minuten konnte wieder mit dem Bühnen- statt dem Saallicht weitergespielt werden: Notreparatur geschafft, Atmosphäre wieder hergestellt.
Nachdem Faber, gespielt von Michael Marwitz, die Notlandung seines Flugzeugs überstanden hatte, mochte er nicht mehr fliegen. Doch auch das Schifffahren brachte ihm kein Glück, denn auf See verliebte er sich in eine junge Frau, die sich am Ende als seine Tochter herausstellte.
Bis zur Pause wirkte das Schauspiel allerdings nur wenig ergreifend. Einige der rund 120 Zuschauer bemängelten eine unnötige Dramatisierung der Romanvorlage.
Doch in der zweiten Hälfte drehten die Schauspieler auf. Mit der Zeit wurde selbst aus dem Schweizer Ingenieur Faber, dem Dressman im Nadelstreifenanzug, ein ärmlich erscheinender Mann mit zerrissenem Hemd. Spiegelte seine klare, monotone Stimme bis dahin trefflich die Rationalität seine Gemüts wieder, so wurde er mit der Zeit nachdenklich. Denn seine Tochter starb bei einem Sturz direkt vor seinen Augen.
Die brachliegende Gefühlswelt der Charaktere und stumme Momente der Nachdenklichkeit fesselten nun die Zuschauer. Perfekt unterstützt wurde die jeweilige Atmosphäre durch Keyboard-Musik, die stets flexibel für jede Stimmungslage passte.
Am Ende sieht sich der Zufallsablehner Faber in philosophischen Fragen gefangen: Warum ist nur alles so gekommen, wie es ist? Warum Fügung? Alles Zufall?
