CLOPPENBURG - Mit dem provozierenden Titel „Von wegen Heilige Nacht“ erinnert die am Sonntag eröffnete Ausstellung im Museumsdorf Cloppenburg daran, dass Weihnachten schon früh politisch missbraucht wurde.
Die Ausstellung basiert auf der Sammlung von Rita Breuer und ihrer Tochter Dr. Judith Breuer und ist seit 1988 bundesweit auf Wanderschaft. Für die sehenswerte Präsentation im Museumsdorf haben Christina Deutschbein und Nils Korte die Ausstellung um zahlreiche Exponate aus dem Weser-Ems-Raum erweitert. Prof. Dr. Uwe Meiners verdeutlichte, dass das Weihnachtsfest immer wieder von politischen Agitatoren instrumentalisiert wurde. Betroffen reagierten die Zuhörer auf ein Zitat, in dem NS-Ideologen ihren menschenverachtenden Zynismus offenbarten: „Im Dritten Reich in diesem Winter besteuert wird, wer keine Kinder. Der Weihnachtsmann will keinen Ärger, bedachte drum die Drückeberger. Ein Kind kann Dir nichts schaden. Deutschland braucht Soldaten! Frohes Fest!" Dr. Annette Schwandner (Ministerium für Wissenschaft und Kultur) betonte die Bedeutung der Ausstellung. Sie lege offen, wie sehr die Propaganda in das Familienleben und das Weihnachtsfest einzuwirken versuchte.
Die Ausstellung beschränkt sich nicht auf die Zeit des Nationalsozialismus. Sie spannt einen weiten Bogen vom Kaiserreich über den 1. Weltkrieg, die Weimarer Republik und den 2. Weltkrieg bis hin in die Ära des „Kalten Krieges“. In allen Epochen wurde das Weihnachtsfest zur Propaganda eingesetzt.
Mit Erstaunen, aber auch mit Wiedererkennen reagierten die Besucher beim Betrachten von Weihnachtskugeln in der Form von Bomben, Granaten oder mit einem Hakenkreuz. Zahlreiche Bilddokumente zeigen idealisierte Bilder und Postkarten vom Soldaten, die im Krieg Weihnachten feiern. Dr. Judith Breuer warnte davor, diese Propaganda zu belächeln. Sie machte deutlich, dass auch heute rechtsradikale Gruppierungen versuchen würden, das Weihnachtsfest für ihre Zwecke zu benutzen. „Getreu dem Motto: Wehret den Anfängen! Erscheint Aufklärung nötiger denn je. Nur wer die ganze Geschichte von Weihnachten mit allen Schattenseiten und Verfehlungen kennt, kann diesen modernen Verführungen die Stirn bieten. Und zwar auf eine Weise, die diese am meisten fürchten: Mit handfesten Argumenten und im direkten, entlarvenden Vergleich."
Musikalisch wurde die Eröffnung von der Klarinettistin Petra Wesenick begleitet.
