Oldenburg - Wie nähern sich neun Teenager der niederdeutschen Sprache? Sie greifen in die Trickkiste, drehen an der Zeitschraube und schlüpfen in die Haut einer Audrey Hepburn oder eines River Phoenix. So geschehen im Platt’n’Studio des Oldenburgischen Staatstheaters, in dem der Nachwuchs ab 14 Jahren erstmals sein Können in der Werkstattpräsentation „Broken Pieces“ zeigte.
Unter der Spielleitung von Theaterpädagogin Dzenet Hodza haben die neun Jugendlichen eine Collage mit vielen Bildelementen entwickelt. Ein Blick ins Programmheft hilft, die einzelnen Fragmente zu verstehen, deren Inspirationsquellen Biografien „berühmter, irgendwie gescheiterter Figuren“ waren, etwa Franz Kafka, Henry Miller oder Sarah Bernhardt. Über die französische Schauspielerin im 19. und frühen 20. Jahrhundert sagt eine Darstellerin: „Sie konnte alles spielen. Ich wünschte, ich wäre so mutig und selbstbewusst wie sie es war.“
Es braucht Mut, über die eigenen Sehnsüchte und Ängste zu sprechen, und verdient Anerkennung. Besonders, weil die neun Jugendlichen den Großteil des Abends auf Platt bestreiten, neben wenigen hochdeutschen und englischen Passagen. Sprachpatin Karin Haan, Mitglied der August-Hinrichs-Bühne, hat großartige Arbeit geleistet.
Mit spielerischer Leichtigkeit snacken die jungen Leute in der Exerzierhalle über ihre Zukunftsträume, verraten, wovor sie bang sind und philosophieren über Glück. „Ich wünschte mir, wir würden uns nicht immer verstellen“, gesteht eine Jugendliche am Ende der 75-minütigen Aufführung.
Wie befreit ziehen sie also lachend ihre Al Capone Anzüge und Etuikleider aus, lassen Hüte, Diademe und gerüschte Sonnenschirme wieder in der Trickkiste verschwinden. Ihren plattdeutschen Sprachschatz aber, den nehmen sie mit.
