Oldenburg - Das Oldenburger Computer-Museum (OCM) ist wieder da – und wie. Auf 600 Quadratmetern (am alten Standort Neue Straße waren es 60) präsentiert die neue Ausstellung im Postgebäude am Bahnhof Heimcomputer der 70er- und 80er-Jahre und – ganz neu – eine OCM-Arcade mit Flippern und klassischen Spielautomaten. „Und alles läuft“, sagt OCM-Vorsitzender Thiemo Eddiks, „das muss auch so sein, denn sonst wäre es ja nur ein Designmuseum.“

Am Dienstagabend gab’s die erste offizielle Öffnung – nach 13 Monaten. So lange dauerte die intensive Umzugs-, Renovierungs- und Genehmigungsphase nach dem Auszug aus dem alten Domizil. „Wir sind froh und dankbar, dass wir noch da sind“, sagte am Dienstag ein sichtlich erleichterter Thiemo Eddiks. Seine 2000 Teile umfassende Sammlung und die Spielautomaten des zweiten Vorsitzenden Jörg Stumpe bilden das Rückgrat der Ausstellung – und die ehrenamtliche Arbeit des etwa 15-köpfigen Kernteams aus dem Verein OCM, das seit Monaten (nicht nur) jeden Dienstagabend in den zuvor leerstehenden Hallen der Post hart gearbeitet hat. Das neue Domizil bietet neben den liebevoll gestalteten Ausstellungskojen eine Schauwerkstatt und jede Menge Lagerraum.

Doch was ist im OCM zu sehen? Der Heimcomputer-Teil dokumentiert die Entwicklung des PCs – verschwundene Marken wie Rockwell, den ersten (und schnell wieder verschwundenen) Laptop der Welt, der Osborne 1, ein Billigcomputer von Timex und der „Volkscomputer“ VC1 von Commodore – und natürlich C64 und Atari-Rechner sind zu sehen. Alle funktionieren – und so mancher versuchte sich am Dienstagabend am Programmieren – mit mehr oder minder großem Erfolg, aber immer mit viel Spaß. An den wie auf einem Zeitstrahl aufgereihten Geräten lassen sich Entwicklungen und Irrwege (etwa bei den Tastaturen) genauso ablesen und erfühlen, wie die Evolution der Speichermedien von der Kompakt-Cassette über die Floppy-Disc bis zur Diskette.

Mit dem ersten Windows-Rechner Anfang der 90er endet die Ausstellung. „Der bedeutete das Ende für alles, was davor kam“, sagt Eddiks.

Mit Maus, Tastatur und Bildschirm ging es dann bis 2007 immer so weiter, und „dann begannen wir, auf Glasbildschirmen zu tippen“. Apple hatte mit iPhone und Tablet die nächste Stufe markiert – und auch schon das angeschoben, was Windows für den Massenmarkt umsetzte – die grafische Benutzeroberfläche. In der Ausstellung ist der Schritt dahin zu sehen – auf einem Apple IIe.

Die Museumsmacher haben die Ausstellung mit viel Liebe zum Detail aufgebaut und die Räume ebenso gestaltet. Mehrere Kojen mit alten Möbeln führen in die Zeit der ersten Heimcomputer zurück – und eine Nußbaumschrankwand liefert den Grund dafür, warum in den 70ern die ersten Spielekonsolen noch ein Nußbaumfurnier an der Front trugen.

„Wir haben viele Möbel aus Haushaltsauflösungen – und selbst wenn Leute sie anfangs verkaufen wollten, haben sie sie uns umsonst gegeben, wenn wir sagten, wofür sie sind“, berichtet Katrin Gross vom Vorstand.

Die Ausstellung ist jeden Dienstag von 18 bis 21 Uhr geöffnet, die OCM-Arcade jeden zweiten Sonnabend im Monat (also auch am 9. August) von 14 bis 19 Uhr. Die neue Location wird auch für Konzerte genutzt: Am 27. September von 14 bis 19 Uhr spielt zur Premiere die Oldenburger Band „Letterbox Salvation“.