DALSPER - DALSPER - Nanu, was machen die denn da? Als am Mittwochabend ein kurioser Pferdewagen auf die Dalsper Hellmer einbog und hundert Meter weg von der L 864 anhielt, stellten sich so einige Anwohner diese Frage. Die Antwort ist schnell gegeben: Pferd „Django“, ein französischer Bolonnais-Kaltblüter, braucht eine Pause. Jonathan Mansfield holt eine alte Zinkwanne aus dem Wagen, dazu einen Eimer mit einem Strick dran. Jetzt gibt’s erst einmal Wasser für den Schimmel, aus dem Graben. Und eine ausgedehnte Rast. Eine Etappe wollen Jonathan und seine Freundin Angelina aber heute noch schaffen, „Vielleicht 15 Kilometer“, sagen sie. Hund „Arthur“, Riesenschnauzer-Mischling mit orangefarbener Warnweste, sorgt dafür, dass „Django“ unterwegs pariert.
Ziemlich alternativ, ziemlich öko: Wie Überlebende einer seit 25 Jahren ausgestorben geglaubten Spezies kommen Jonathan Mansfield, aus Manchester stammender Straßenmusiker, 34 Jahre alt, und Angelina Grunst, aus Dresden stammende Theaterpädagogik-Studentin in Ottersberg, 23 Jahre alt, daher. Jonathan, früher in England LKW-Fahrer, hat den an die Gespanne der irischen Tinker erinnernden Pferdeanhänger selber gebaut und sich damit einen alten Traum erfüllt. Jetzt genießt das Pärchen vom Kutschbock aus die Langsamkeit: „Man sieht die Welt ganz anders, als wenn man mit dem Auto durchrauscht.“ Zwei Monate lang wollen sie durch Norddeutschland touren, mit einer Pferdestärke, ohne Strom und fließend Wasser, dafür mit einem Gaskocher und einem gemütlichen Bett hinten im Wagen.
Ganz zweckfrei ist die romantische Tour indes nicht. Angelina verbindet das Angenehme mit dem Nützlichen, sie kann die Reise für ihr Studium als Praktikum anrechnen lassen. „Wir werden unterwegs Kindergärten ansteuern, und dann mach’ ich mit den Kindern Theater“, erzählt die fröhliche junge Frau. Einzigartig und für die Kinder sicherlich eine große Schau, diese mobile Theaterwerkstatt.
