Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Freilichttheater Deichgraf muss das Reiten noch lernen

Hans Begerow

DANGAST - Schimmel „Ben“ tänzelt nervös auf dem Flügeldeich des Dangaster Hafens. Vielleicht liegt es am satten Grün, vielleicht an den vielen unbekannten Menschen – Halterin Miriam Schrader aus Dangast hat es jedenfalls schwer, „Ben“ am Zügel zu führen. Und dann ist da ja auch noch der Reiter: Boris Koch (40) im schwarzem Einreiher, ein weißes Hemd, dunkle Hose und Lederstiefel. Koch und „Ben“ sollen sich aneinander gewöhnen, schließlich soll Schauspieler Boris Koch auf „Ben“ in der Freilichtinszenierung „Der Schimmelreiter“ in der Regie von Frank Düwel reiten.

Ab 12. August wird das Freilichttheater am Dangaster Seedeich aufgeführt. Und wie „Ben“ werden noch eine ganze Reihe Akteure nervös sein, bis die Premiere vorbei ist. Einer von ihnen ist Regisseur Frank Düwel, der bereits im Jahr 2000 zur „Expo am Meer“ den klassischen Stoff in Dangast inszenierte. Immerhin 45 000 Besucher sahen damals die eindrucksvollen Aufführungen.

Tochter des Deichgrafen

Im Jahr 2000 war Hauptdarstellerin Insa Fröhlich noch nicht beim Niederdeutschen Theater Neuenburg. Erst 2002 fragte sie vorsichtig an, ob es eine Rolle für sie gäbe. Es gab sie. Und Insa Fröhlich (33) übernahm zahlreiche Rollen bei der Neuenburger Bühne. Beim Casting für die neuerliche Inszenierung des „Schimmelreiters“ fiel die Wahl auf die Oldenburgerin, die als pharmazeutisch-technische Assistentin arbeitet. Sie wird in Düwels Inszenierung die Rolle der Elke Volkerts spielen, die durch ihre Heirat Hauke Haien zum Deichgrafen macht.

Der junge Deichgraf hat absonderliche Ideen. Die Deiche will er mit einer flacheren Neigung zur Seeseite bauen, den Deichbau verändern. Die Menschen, die die Deiche bauen und unterhalten sollen, nimmt er indes nicht mit, und so endet tragisch, was als technische Innovation hätte Segen bringen sollen.

Boris Koch war als Schauspieler in der Kulturwerkstatt „westend“ in Bremen aktiv. Auch spielte er im Statt-Theater Vegesack. Dort war er unter anderem in den erfolgreichen Inszenierungen „Wirst Du mich auch morgen früh noch lieben“ und „Frühlingserwachen“ zu sehen. In der Region war er unter anderem in „Mr. Pilks Irrenhaus“ und in „Fast Faust“ zu erleben.

Beruf: Wissenschaftler

Bevor Frank Düwel die Bühne freigibt für eine komprimiertere Fassung des Stoffs nach Theodor Storm, ist da noch einiges an Probenarbeit zu bewältigen. Boris Koch, im Beruf Wissenschaftler am Al­fred-Wegener-Institut in Bremerhaven, musste zum Beispiel Reitstunden nehmen, um die Rolle zu übernehmen. Immerhin soll er sich auf „Ben“ halten und eine gute Figur machen. Insa Fröhlich streichelt „Bens“ Kopf. Langsam gewöhnt sich der Schimmel an den Deichgrafen.

Schafe und Ködel

Mit den harten Prüfungen sind die Proben noch nicht vorbei. Regisseur Düwel möchte mit Koch und Fröhlich eine Liebesszene proben. Dazu muss sich Koch hinknien und ein Gedicht rezitieren. „Aber nicht in den Schiet“, ruft aus dem Hintergrund Produktionsassistentin Meike Hinrichs, die beim Niederdeutschen Theater Neuenburg für die Requisite zuständig ist und dementsprechend die Mühen der Kostümschneiderei kennt. Koch findet einen Stelle auf dem Deich, wo die Schafe noch keine Ködel hinterlassen haben. „Jetzt noch einen Kuss“, fordert Düwel nach dem Gedicht. Die beiden setzen sich auf den Deich – und beinahe könnte der Betrachter an ein Liebespaar des 19. Jahrhunderts denken, die Frau mit knöchellangem Kleid, während der Galan ihr einen züchtigen Kuss gibt. „Jetzt erklär ihr, was du willst, den Deichbau“, fordert Düwel zur nächsten Szene auf. „Stell dich hinter sie“, verbessert er Kochs Auftritt. „Zeig nach vorne, auf den Deich, die Schleuse“, ruft Düwel.

Erfahrenes Team

Für die Zuschauer hat der Theaterbesuch in Dangast einen besonderen Reiz. Mangels ausreichender Parkplätze wird ein Sammelparkplatz im nahen Jeringhave eingerichtet. Von dort werden die Zuschauer in Bussen am Deich entlang zum Theatergelände gefahren. Wenn sie wollen, können sie einen Blick auf eine mittlerweile verlandete Pütte (Entnahmestelle von Klei für den Deichbau) werfen. Deichgraf Haien hätte seine Freude an der würzigen Seeluft und der einzigartigen Atmosphäre mit Blick auf die endlose Weite und den sanft geneigten Seedeich.

Dort tänzelt immer noch Schimmel „Ben“. Im Hintergrund verfolgen die künstlerische Leiterin Gudrun Oeltjen-Hinrichs (Oldenburg) und Projektleiter Iko Chmielewski die Proben. Die erfahrene Regisseurin und Theaterpädagogin Gudrun Oeltjen-Hinrichs und Iko Chmielewski haben schon bei den vergangenen Inszenierungen in Dangast und Hooksiel mitgewirkt.

Nach dem „Schimmelreiter“ des Jahres 2000 folgte in Hooksiel am Strand „König Lear“ – ebenfalls in der Regie von Frank Düwel. Eine volkstümliche und vielbeachtete Fassung des Königsdramas – ein wenig verregnet war „König Lear“ damals. Eine Aufführung musste sogar wegen Regens abgebrochen werden. Das erhofft man sich vom „Schimmelreiter“ natürlich nicht.

Immerhin: Das Publikum sitzt bei den Aufführungen gut geschützt auf Tribünen. Schimmel „Ben“ wird sich an sie gewöhnen müssen.

Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Nach Zündung der beiden Sprenglandungen sackte der Kran zusammen und fiel wie geplant zu Boden.

RHENUS MIDGARD Kran im Nordenhamer Hafen gesprengt

Nordenham
Zieleinlauf beim Matjeslauf in Emden 2023

VOLKSLÄUFE IM NORDWESTEN IM JUNI – TEIL 1 Von 5 Kilometer bis 6 Stunden – Elf Startgelegenheiten bis zu den Sommerferien

Mathias Freese
Nordwesten
Sind in diesem Sommer früh wieder gefordert: Jan Urbas (links) und Nicholas Jensen

FISCHTOWN PINGUINS Erfolge bescheren Bremerhavener Eishockey-Team dichten Terminplan

Hauke Richters
Bremerhaven
Nimmt im Sommer erstmals an den Olympischen Spielen teil: der Oldenburger Jannis Maus

„ICH WILL MÖGLICHST VIEL AUFSAUGEN“ Oldenburger Kitesurfer Jannis Maus fiebert Olympia-Premiere entgegen

Niklas Benter
Oldenburg
Da wird die Deckenlampe zum Duschkopf: Das Wasser kommt durch die Decke und läuft an den Wänden hinunter.

MIETÄRGER IM AMMERLAND Wenn das Wasser aus der Deckenlampe strömt

Anke Brockmeyer
Westerstede