DANGAST - Ein kleines Fischerhäuschen an der Sielstraße in Dangast erwarb der Maler Franz Radziwill 1923. Mehrfach umgebaut und erweitert, ist das Haus nun ein Museum – das Franz-Radziwill-Haus, das jährlich von Tausenden Kunstfreunden besichtigt wird. Im nächsten Jahr will die Franz-Radziwill-Gesellschaft das 25-jährige Bestehen des Museums zum Anlass für eine große Ausstellung nehmen. Darin sollen Gemälde des Malers eine Rolle spielen, die noch nicht oder lange nicht mehr gezeigt wurden. Kuratorin der Ausstellung ist die Oldenburger Kunsthistorikerin Brigitte Denizel.
Es gehe um Bilder, „die seit jeher in Privatbesitz sind oder zwischenzeitlich als verschollen galten“, sagt Brigitte Denizel. Diese Bilder sollen 2012 an den Ort ihrer Entstehung zurückkehren. Die Suche läuft und hat auch schon teilweise Erfolg gehabt. Weitere Werke werden noch gesucht.
Begehbare Künstlerbiografie
Zurück in die Sielstraße 3: 60 Jahre lebte und arbeitete Franz Radziwill in dem Häuschen, schuf den größten Teil seines umfangreichen Werks. Heute präsentiert sich das Wohnhaus und Atelier als eine Art begehbarer Künstlerbiografie. Radziwills Staffelei steht dort, sein Arbeitsgerät ist dort zu sehen, wie auch so manches Möbelstück, das dem Maler als Motiv diente. Allen voran die rot lackierten Holzstühle in der Küche, auf denen die Familienmitglieder saßen, und die er für sein Gemälde „Frau zwischen roten Stühlen“ verewigte.
Seit 1987 ist das Radziwill-Haus nun Museum. Und in den 25 Jahren ist ein nicht geringer Teil der einst dort entstandenen Bilder zurückgekehrt an den Ort der Entstehung – diesmal aber nicht zum Auffrischen oder Ausbessern durch den Maler (der des Öfteren von seinen Abnehmern dazu aufgefordert wurde), sondern als Museumsstück. Zahlreiche, teils hochkarätig bestückte Ausstellungen sind in den 25 Jahren gezeigt worden: Darunter die Trilogie über die Brücke-Maler in Dangast (Kurator Claus Peukert), die Ausstellung zum 100. Geburtstag im Jahr 1995, oder die vielen thematischen Ausstellungen über Epochen im Werk von Franz Radziwill – angefangen von der Hinwendung zur Neuen Sachlichkeit bis zu seiner Malerei während des Nationalsozialismus (die aktuelle Schau, noch zu sehen bis Anfang Januar 2012).
Auch im Jahr 2011 ist Franz Radziwill ein Publikumsmagnet. Die Schau „111 Meisterwerke“ in der Emder Kunsthalle haben rekordverdächtige 40 000 Besucher angeschaut, weitere Ausstellungen liefen in Wilhelmshaven und Oldenburg (2) sowie im Radziwill-Haus in Dangast.
Schönheit des Alleinseins
In der Ausstellung „Die Schönheit des Alleinseins“ (Titel eines Bildes) im Stadtmuseum Oldenburg konnten Besucher herausragende Gemälde von Franz Radziwill sehen, die nach 1945 entstanden waren. Die Arbeiten sind geprägt von der Leere und Einsamkeit der Nachkriegszeit. Im Oldenburger Prinzenpalais wurde 2011 die Ausstellung „Franz Radziwill – Expressionismus – Neue Sachlichkeit“ gezeigt. Radziwills Gemälde „Die neue Straße“ von 1921 kann als symptomatisch für die Brüche in seiner Künstlerbiografie gelten. 1925 bei einer von der Oldenburger „Vereinigung für junge Kunst“ veranstalteten Ausstellung im Augusteum noch begeistert aufgenommen, diente eine Reproduktion des Gemäldes in der Zeitung des nationalsozialistischen Studentenbundes zehn Jahre später der Diffamierung des Radziwillschen Frühwerkes als „entartet“. Seit 1976 befindet sich das Gemälde im Besitz des Landesmuseums.
