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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Münchner Ritterschlag für Radziwill

21.02.2019

Dangast /München Auch südlich der Main-Linie als großer Künstler wahrgenommen zu werden, war für Franz Radziwill (1895–1983) enorm wichtig. Das Ziel – quasi den künstlerischen Ritterschlag – hat er erreicht: Die Pinakothek der Moderne in München stellt den Dangaster Maler seit Dienstag in ihrer Sammlungspräsentation als „einen der bedeutendsten Maler des Magischen Realismus“ vor und verbindet sein Werk zugleich mit der Dangaster „Brücke“-Tradition.

Doppelseitig bemalt

Anlass für die Schau, die Radziwills „Verflechtung mit dem nationalsozialistischen Regime zwischen Anpassung und Diffamierung als ,entarteter Künstler‘“ beleuchten soll, ist eine Neuerwerbung. 2018 konnte das Landschaftsbild „Grodenstraße nach Varelerhafen“ (1938) dank Unterstützung der Theo-Wormland-Stiftung für einen sechsstelligen Betrag erworben werden, nachdem es sich bereits seit 2005 als Leihgabe in der Sammlung befunden hatte. Dem Bild wird ein frühes Werk von Karl Schmidt-Rottluff (1884–1976) aus dem Jahr 1910 gegenübergestellt.

Wie der Titel schon verrät – „Parkweg (Parkecke in Dangast)“ –, hat Schmidt-Rottluff das farbintensive Gemälde bei einem seiner Sommeraufenthalte in Dangast gemalt. Das Haus rechts im Bild, erläutert der Kunstwissenschaftler Dr. Gerd Presler, stehe bis heute unverändert im Ort. Dort habe Rosa Schapire (1874–1954) gewohnt, die berühmte Mäzenin Schmidt-Rottluffs und anderer „Brücke“-Künstler, wenn sie sich in Dangast aufhielt.

Ergänzt wird die Münchner Präsentation mit einer Besonderheit, die Ende 2018 als Leihgabe ins Haus kam: mit einer doppelseitig bemalten Leinwand Radziwills, die den Bruch vom expressionistischen Frühwerk zum neusachlichen Hauptwerk vor Augen führt. Auf der einen Seite ist die „Landschaft mit drei schwarzen Schemen“ von 1920/21 zu sehen – die „Schemen“ sind in Richtung Dangast unterwegs –, auf der anderen eine „Gewittrige Landschaft“, die um 1925 entstanden ist. Das Bild steht frei im Ausstellungsraum, sodass beide Seiten betrachtet werden können.

Als viertes Gemälde von Radziwill ist die „Muschelkalkmühle in Varelerhafen“ von 1937 (ebenfalls eine Leihgabe) zu sehen. Wie auch in der „Grodenstraße“ hat der Dangaster den Himmel grün gemalt. Für den Kurator Dr. Oliver Kase ein „emphatisches Signal an die expressionistische Malweise“, die im Nazideutschland diffamiert wurde. Hinter diesem Grün sieht er eine Reaktion auf jene Rede, die Adolf Hitler 1937 zur Eröffnung der Großen Deutschen Kunstausstellung im Haus der Kunst in München hielt.

Maler der Grauzone

Darin drohte er unverhohlen den Malern der Moderne und unterstellte ihnen einen „Sehfehler“, weil sie „grundsätzlich Wiesen blau, Himmel grün, Wolken schwefelgelb“ malten. Die antimoderne NS-Doktrin wurde 1937 mit der Ausstellung „Entartete Kunst“ in München bestimmend. Man gehe davon aus, dass Radziwill von dieser im Radio übertragenen Rede Kenntnis hatte, sagt Kase. Zwei Freunde hätten ihm davon erzählt.

Das mache den Maler zwar noch nicht zum Widerstandskämpfer, sagt Kase, doch werde deutlich, dass man „mit Etiketten bei Radziwill nicht weiterkommt“, dass man sich in einer Grauzone befinde. Dem entspricht auch der Titel der Ausstellung: „Zwei Seiten eines Künstlers“.

Regina Jerichow Stellv. Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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