Dangast/Oldenburg - Majestätisch erhebt sich das große Fahrgastschiff auf dem Meer, Schlepper liegen vor dem Dampfer. Dann nimmt das Schiff in dem Aquarell von Franz Radziwill Fahrt auf, zwei Militärflugzeuge tauchen am Himmel auf und fliegen auf den Betrachter zu.
„Riss durch die Zeit“
So könnten die Zuschauer im Oldenburgischen Staatstheater 2023 ein typisches Radziwill-Motiv als bewegtes Bühnenbild neu erleben. Es könnte Bestandteil des Theaterstücks sein, das Regisseurin Luise Vogt und der leitende Dramaturg Jonas Hennicke zurzeit unter dem Arbeitstitel „Radziwill – oder der Riss durch die Zeit“ vorbereiten. Jetzt gaben sie im Franz-Radziwill-Haus in Dangast Einblicke in ihre Vorbereitungen.
Es wird, um es vorweg zu sagen, kein Theaterstück im üblichen Sinne mit auf- und abtretenden Personen und einem geschriebenen Text sein, der dann von Schauspielern aufgeführt wird. Das, was die Zuschauer 2023, dem 40. Todesjahr Franz Radziwills (1895 bis 1983) zu sehen bekommen, wird Ergebnis eines Rechercheprozesses, erläuterte Regisseurin Luise Vogt. Sie will Textdokumente, O-Töne, Vorgänge und eben Radziwills Bilder mit den Mitteln des Theaters bildnerisch gestalten. Man solle keine Biopic-Schmonzette erwarten, erläuterte Jonas Hennicke. Man strebe keine fiktive Dialogfolge an, schon weil man nicht wisse, was Radziwill in Gesprächssituationen zu anderen gesagt habe. „Was wir anstreben, ist eine assoziative Art des Erzählens“, sagte Vogt. Und für den Dramaturgen Hennicke geht es darum, dem Zeitgeist der Bilder auf die Spur zu kommen, zum Beispiel das menschliche Streben nach der Beherrschung der Technik, was Radziwill zeitlebens beschäftigt hat.
Vorwissen nicht nötig
Radziwills Bilder sollen dazu auf die Bühne projiziert und animiert werden. Einen Darsteller für Radziwill wird es geben, „aber der wird stumm bleiben“, erläuterte Regisseurin Vogt. Dazu sind aber Sprechrollen geplant. Die Inszenierung erfordere kein Vorwissen, erläuterte die Regisseurin, so wie auch die magischen Motive Radziwills kein Vorwissen erfordern. „Die Bilder sind aufgeladen mit Ahnungen“, sagte Luise Vogt, und Radziwills Tochter Konstanze, die das Künstlergespräch moderierte, beschrieb den Schaffensprozess ihres Vaters so: „Malend die unbegriffene Welt zu begreifen“.
„Franz Radziwill – oder der Riss durch die Zeit“ soll im Großen Haus des Staatstheaters aufgeführt werden. Die Vorstellung des Projektes im Atelier des Malers gab schon mal einen sinnlichen Vorgeschmack: Unter den Stillleben stehen zahlreiche Krüge, Körbe und Haushaltsgegenstände, die Radziwill als Versatzstücke in seinen Bildern malte.
