DANGAST - „Das kannst du auch“, war der erste Gedanke, als Hedwig Awe vor 20 Jahren ein Bild gesehen hat, das der Dangaster Maler Willy Hinck (1915 bis 2002) ihrer Schwägerin geschenkt hat. Auf dem kleinen Bild waren zwei Malven zu sehen, die Hedwig Awe abmalte. Willy Hinck gefiels und er bestärkte seine Nachbarin weiterzumachen.
Seitdem malt die Seniorin unermüdlich. Im Obergeschoss ihres Hauses in Dangast hat sie sich ein Malzimmer eingerichtet. „Hier kommen mir viele Ideen“, sagt die 90-Jährige. Nach vorne bietet das Zimmer einen Blick auf den Jadebusen und nach hinten auf den großen Garten. Unzählige Blüten aus ihrem Garten hat Hedwig Awe gemalt, und auch das Meer und Wellen gehören zu ihren Lieblingsmotiven. Viele Techniken hat sie sich im Laufe der Jahre angeeignet, sie malt mit Öl- und Aquarellfarben sowie mit Kreide.
Viele Kunstbücher in ihrem kleinen Malzimmer zeugen von ihrem Interesse an der Malerei. Ganz oben liegt ein Buch über Pablo Picasso. „Den habe ich erst jetzt für mich entdeckt“, sagt die 90-Jährige, „früher mochte ich die Bilder nicht, aber jetzt, wo ich mich näher damit beschäftige, gefallen sie mir.“ Ihr imponieren besonders seine kubistischen Werke, eine Kunstrichtung, die Anfang des 20. Jahrhunderts entstand. Der Name geht zurück auf den Ausspruch des Malers Paul Cézanne, dass sich die Natur auf geometrische Körper zurückführen lässt, also die sichtbare Wirklichkeit auf Kubus, Kegel und Kugel reduzierbar ist.
Mehrere Bilder hat Hedwig Awe in dieser Kunstrichtung gemalt, eines detaillierter und exakter als das andere. „Über die Linien drübermalen, sone Wurschtelei, das gibts bei mir nicht“, sagt die 90-Jährige, „da bin ich pingelig“. Und das alles meistert die Seniorin ohne Brille. „Die brauche ich nur zum Zeitunglesen“, verrät sie.
Ihre Leidenschaft für die Malerei teilt sie mit anderen Hobbykünstlern in der Ateliergemeinschaft von Iko Chmielewski. Seit 20 Jahren ist sie mit Begeisterung dabei und lässt sich von anderen Mitgliedern inspirieren und Tipps geben. „Das ist eine wunderbare Einrichtung“, schwärmt sie.
Die Malerei ist Hedwig Awe sehr wichtig. „Sie schenkt mir Zufriedenheit“, sagt sie, „im Alter ein solches Hobby zu haben, das hält gesund. Ich habe nie Langeweile“. Langweilig wird ihr auch beim nächsten Bild nicht werden. Die große Leinwand steht schon bereit, auf der eine Zierquitte aus Hedwig Awes Garten verewigt werden soll.
Ihre Bilder stellt die Seniorin in ihrer Garage An der Rennweide in Dangast aus.
