DANGAST - DANGAST - Eigentlich ist die Szenerie ganz passend: Wolkenverhangener, erdbodennah wirkender Himmel, ergiebiger, geradezu eindringender Regen, aufgeweichter Boden, Nässe auch von unten, einige verloren wirkende, triefende Holzhütten.

Das ist doch ein Deicher-Szenarium! Eben. Zum Stück „Der Deicher“ gehört es auch. Diese Kulisse gestern Nachmittag auf dem Festspiel-Gelände des Freilicht-Musicals westlich des Dangaster Sieltiefs ist die aufführungsbegleitende Kunsthandwerker-Ausstellung mit Markt, im Stadium der Vorbereitung.

„Es wird gewiss trocken sein, schon bei der Generalprobe mit rund 1000 Gästen am Donnerstag ab 20 Uhr“, muntert Koordinator Iko Chmielewski die Kunsthandwerker auf. Aus ganz Friesland stammend, wollen sie, gekleidet wie einst die Zunfthandwerker zur Erzählzeit des Stückes (1765), ihre Produktionen ausstellen und anbieten, von schön Gewebtem über Keramik und Töpferware bis hin zu Schmuck und Weißwäsche, aber auch Honigprodukten oder Seifen. Der wetterfest-maritim ausstaffierte Koordinator, dem nur noch der Südwester fehlt, wirkt mit seinem Wetter-Optimismus zwar nicht unbedingt überzeugend, provoziert aber Entschlusskraft: „Wenn es für Weißwäsche zu feucht sein sollte, stelle ich eben Gestricktes aus“, sagt die Weißwäsche-Spezialistin, als sie ihre Hütte inspiziert. Insgesamt sind es elf Hütten. Historisch ausgeschmückt werden sollen sie auch noch, bis zur Generalprobe.

Etwas weniger von Oberwasser geplagt ist die zweite Begleitausstellung „Sturmfluten/Geschichte des Deichbaus“. Koordinator Hans-Jörg Frick hat immerhin ein Großzelt zur Verfügung. Noch ist es halb leer, aber bald wird es sich füllen, mit unter anderem 36 Tafeln, die Auskunft geben über das historische ebenso wie gegenwärtige Warum und Wie des Deichbaus, eines – es lässt sich nicht weniger dramatisch sagen – Menschheitsprojektes. Historisch ungeheuer mühsam, prinzipiell unabschließbar, auch heute, das Land immer wieder neu gegen die Gewalt der See zu sichern suchend.

Die Ausstellung veranschaulicht diesen Kampf. Bezogen auf das Deichbauwesen zur Zeit des Musicals, zeigt sie die Arbeitsgeräte, ja die ganze Lebensweise der Deicharbeiter von 1765 auf, erläutert Begriffe wie Püttmeister oder Deichgraf. Eine Kostbarkeit ist der Nachbau eines der ersten zuverlässigen Pegel, von Albert Brahms. Weiter zeigt sie, teils anhand hochinteressanter Karten-Reproduktionen, den Verlauf der großen Sturmfluten von 1717, von 1825 und von 1962.