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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Daniel Brühl & Poetry For Locals: Gedichte im Netz als Hilfe und Mutmacher

04.05.2020
Frage: Herr Brühl, wie geht es Ihnen?

Brühl: Den Umständen entsprechend gut. Meine Familie und meine Großfamilie sind gesund. In Berlin kann man ja noch ein bisschen was machen. Ich habe einen dreijährigen Sohn, und es ist gut, dass ich mit ihm ab und zu in den Wald gehen oder im Park Fahrrad fahren kann. In diesem schönen Frühling kann man für einen Moment vergessen, was in der Welt los ist.

Frage: Wie kam es zu Ihrer Initiative „Poetry For Locals“?

Brühl: Ich bin an meinem Buchladen um die Ecke vorbeigegangen. Dort hing ein Schild: „Bitte vergesst uns nicht in diesen schwierigen Zeiten!“. Wenn man Bücher bestellt, passiert es schnell, dass man bei den großen, „üblichen Verdächtigen“ landet. Ich habe bei dem kleinen Geschäft bestellt und alles lief super. Man sollte schauen, wie man sein Viertel ein bisschen unterstützen kann, so gut es eben geht. Unter den Büchern die ankamen, befand sich auch ein Lyrikband. Natürlich sind 80 bis 90 Prozent der Lyrik relativ hohler Kram. Ich dachte mir, dass es eine charmante Idee sein könnte, mit einem wirklich gehaltvollen Gedicht ein Geschäft seiner Wahl zu unterstützen, das im Moment strauchelt. Ich selbst habe meine „BUCHBOX!“ gewählt. Die haben auch prompt darauf reagiert und sich sehr gefreut.

Frage: Hat die Aktion auch einen praktischen Mehrwert?

Brühl: Es wäre schön, wenn es einen medialen Effekt hat, diese Geschäfte Aufmerksamkeit bekommen und die Menschen sich überlegen, wie sie Hilfe leisten können. Man kann sich vom Restaurant etwas liefern lassen oder Bücher bestellen. Ansonsten finde ich es auch toll, wenn man in diesem Social-Media-Gedöns so etwas Schönes wie Lyrik genießen kann. Ich freue mich total über die Reaktionen der Leute, die ich angeschrieben habe. Darunter sind Kollegen von mir, aber auch Musiker und herausragende Schriftsteller wie Benedict Wells und Daniel Kehlmann. Sie alle haben viel Mühe investiert und großartige Beiträge beigesteuert.

Frage: Mit der Poesie verhält es sich wie mit der Musik: Die einen verstärken melancholische Gefühle mit traurigen Liedern, andere beziehen neue Kraft aus optimistischen Songs. Wie halten Sie es mit Gedichten?

Brühl: Ich gebe offen zu, dass ich zur Melancholie neige, egal, ob es Bücher sind, die ich lese, oder bei Musik und Filmen. Das ist natürlich nicht jedermanns Sache. Else Lasker-Schüler hat fantastische Gedichte über den Schmerz und den Tod verfasst. Ich habe mich dann aber doch auf etwas Lebensbejahendes von ihr konzentriert, zum Beispiel den Frühling, der sich vor unserer Nase prächtig entfaltet. Es bleibt jedem selbst überlassen.

Frage: Haben Sie sich auch schonmal selbst als Poet betätigt?

Brühl: Ich habe schonmal ein paar Sachen hingekritzelt, mehr schlecht als recht. Und ich habe einen Band über Barcelona geschrieben. Ich bin im Moment ja in Vorbereitung zu meinem Regiedebüt „Nebenan“, zu dem Daniel Kehlmann nach einer Idee von mir das Drehbuch geschrieben hat.

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