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Literatur Welt ein wenig gerechter machen

Inga Radel

DARMSTADT - Der frischgekürte Büchner-Preisträger Friedrich Christian Delius gilt als „Vorzeigeautor der 68er-Generation“. Und der ebenso rebellische wie sensible Schriftsteller, Essayist und Lyriker mit gesellschaftspolitischem Verantwortungsbewusstsein ist inzwischen auch ein emsiger Literaturpreis-Sammler. Als er 2007 den ebenfalls mit 50 000 Euro hoch dotierten Joseph-Breitbach-Preis bekam, wurde Delius als „poetischer Chronist bundesdeutscher Zustände, Befindlichkeiten und Neurosen“ gewürdigt.

Geboren in Rom als Sohn eines Pfarrers und aufgewachsen in Hessen, wurde er bekannt als „Siemens-Delius“ mit bissigen Dokumentarsatiren wie „Unsere Siemens-Welt“, die einen langwierigen Rechtsstreit nach sich zog. Dem folgten unter anderem seine Aufarbeitung des „Deutschen Herbstes“ im RAF-Terror-Jahr 1977 mit „Ein Held der inneren Sicherheit“ (1981). Sorgfältige Recherchen für seine Stoffe waren selbstverständlich – auch für die Bücher zur deutschen Einheit.

Buch zur Fußball-WM

Am bekanntesten wurde aus dieser Zeit 1991 die Erzählung „Die Birnen von Ribbeck“. Darin beschreibt er in einem sich über 71 Seiten hinziehenden Satz den Alltag in der DDR am Beispiel des märkischen Dorfes Ribbeck im Havelland, ein Flecken in der Mark Brandenburg, der durch Theodor Fontanes Gedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ und dessen Birnbaum literarische Berühmtheit erlangte. 1994 setzte sich Delius mit dem Mythos des deutschen Sieges bei der legendären Fußball-WM von 1954 in seiner autobiografischen Erzählung „Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde“ auseinander.

Delius, seit 1978 freier Schriftsteller, lebt und arbeitet heute in Rom und Berlin. Er ist in zweiter Ehe verheiratet, aus erster Ehe hat er zwei Töchter. Zuletzt erschienen von Delius im Rowohlt Berlin Verlag „Mein Jahr als Mörder“ (2004), „Bildnis der Mutter als junge Frau“ (2006) und „Die Frau, für die ich den Computer erfand“ (2009).

Gruppe 47

Nach seiner Promotion 1970 war der Germanist Delius Lektor im „linken“ Wagenbach-Verlag in Berlin geworden, wenige Jahre später Mitbegründer des Rotbuch Verlages. Er nahm auch an Tagungen der Gruppe 47 teil.

Bei der typischen Diskussion der 68er, die sich über den Unterschied zwischen „Gewalt gegen Sachen“ und „Gewalt gegen Menschen“ zerstritten, bedeutete für Delius die Straßenschlacht am Tegeler Weg in Berlin im Herbst 1968 eine klare Zäsur. Dabei wurden erstmals Polizisten schwer verletzt. An den Idealen der 68er hält er aber bis heute fest: „Da gibt es keine Enttäuschungen. Es ist überhaupt nichts falsch daran, die Welt ein wenig gerechter machen zu wollen. Das war ja der Ausgangspunkt von ,68‘.“

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